Weiter Unruhe im WDR

Von , am Montag, 16. Februar 2015, in Medien.

Der Kölner Stadt-Anzeiger berichtete (mglw. Paywall) über Widerstand in der WDR-Belegschaft gegen strategische Pläne der seit neun Monaten amtierenden Hörfunkdirektorin Valerie Weber. Dieser Widerstand hat etwas Tragisches.
Ich höre den WDR-Hörfunk schon länger nicht mehr und bin fast komplett zum Deutschlandfunk abgewandert. Das haben schon etliche getan, aber es ist natürlich nur eine Minderheit des Gesamtpublikums. Große Teile des jungen Publikums hören weder Radio noch schauen sie Fernsehen, sondern stellen sich ihren Medienkonsum selbst zusammen, unterstützt von ihren FreundInnen in “Sozialen Netzwerken”, eine inhaltlich falsche aber sehr gebräuchliche Begrifflichkeit.
Das hat, spät genug, den WDR als größten öffentlich-rechtlichen Sender in der ARD in Panik versetzt. Das Durchschnittsalter seines Nutzerpublikums liegt schon über 60. Das kann so nicht bleiben. Es muss sich viel ändern. Und das schnell. Darin wäre der Führung des Senders Recht zu geben.
Aber wie? Zu beobachten ist ein klassischer Top-Down-Prozess, dort, wo Konflikte drohen, sogar in klandestiner Weise. Das bringt nicht nur die Belegschaft, sondern auch das treu gebliebene Publikum erst recht auf die Bäume. Das war schon bei den Programmverschlechterungen auf WDR3 mit seinem extrem bildungsbürgerlich-engagementbereiten Publikum zu beobachten. Diese Engagementbereitschaft wurde aber vom WDR nicht als Ressource erkannt und genutzt, sondern plattgemacht.
Wer soll jetzt noch bereit sein, für den Wellenfunk von 1Live, WDR2 und WDR4 zu kämpfen? Habe ich alles schon jahrelang nicht mehr gehört.
Meine These: der ganze Laden ist sowieso nur zu retten, wenn er alle Fenster und Türen für eine Demokratisierung durch das Publikum, das ihn bezahlt und dem er eigentlich gehört, öffnet. Die technischen Möglichkeiten dafür sind alle da und liegen ungebraucht herum. Es wäre eine größere Revolution, als das, was Buhrow und Niehaus da versuchen. Vielleicht würden sie selbst davon auch schnell weggespült. Aber keine Angst: heute ist Rosenmontag, und das ist nur ein Traum.

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