Wie tödlich Feudalismus sein kann, und wie wenig es hierzulande Aufsehen erregt, bewies die Massenkatastrophe des jüngsten Hadsch in Saudi-Arabien. Nicht nur die Zahl der Opfer wird angezweifelt, auch die Darstellung der Ursache. So wie bei der Loveparade-Katastrophe die Anwesenheit des Innenministers die Sicherheitskräfte bei der Arbeit gestört hat, so könnte es beim Hadsch der VIP-Transport eines führenden Angehörigen des Königshauses gewesen sein, der die Katastrophe ausgelöst hat. Des gleichen Königshauses, das seine Aggressionen weiterhin international weitgehend ungehindert gegen Syrien und Jemen richtet, das weiter Todesurteile und Folterstrafen vollstrecken lässt, und das uns weiter mit billigem Öl versorgt. Von 9/11 wollen wir da jetzt nicht auch noch anfangen ….

Wolfgang Münchau habe ich schon als Kolumnisten der verblichenen Financial Times Deutschland geschätzt. Kein Linker, nur ein nicht-neoliberaler sondern schlicht vernünftiger Volkswirtschafts- und Finanzpolitik-Analyst. Sollte mal ein Projekt zur Alphabetisierung des international rückständigen deutschen Volkswirtschafts-Diskurses unternommen werden, sollte es auf einen wie ihn, der nicht nur erklären sondern auch gut schreiben kann, nicht verzichten. Heute skizziert er auf Spiegel-online, “unserer” BILD, einen realpolitischen europäischen Ansatz zum Umgang mit der Flüchtlingskrise, der auf den ersten Leseblick einen plausiblen Eindruck hinterlässt.

Über den/die Autor*in: Martin Böttger

Martin Böttger ist seit 2014 Herausgeber des Beueler-Extradienst. Sein Lebenslauf findet sich hier...
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