Die Aufregung um die spinnerten Briten ist übertrieben. Was sich heute bei ihrem Referendum abspielt ist für sie von innenpolitischer Relevanz. Globalisierung annehmen oder vor ihr flüchten? Die Frage stellt sich heute in jedem Land. Aber die Briten sind zu klein und unwichtig, um sie aufzuhalten.

Was wird im Brexit-Fall passieren? Die EU bekommt zu ihren zahlreichen Problemen eins mehr. Da muss sie sich gar nicht erst umgewöhnen. Ihre globale Konkurrenzkraft wird noch mehr durch innere Verhandlungen und Streitvermittlungen gebunden. Das gefällt den USA, denen andererseits missfällt, dass ihre ständige Vertretung in der EU, nämlich das United Kingdom. seinen Job nicht mehr ausüben will.

In China wird ein Sack Reis umfallen. Mit wem in Europa muss man sprechen, wenn man dieses oder jenes unternehmen will? Die Chinesen müssen sich also auch nicht umgewöhnen.

Der Ruinierer afrikanischer Volkswirtschaften durch sog. Freihandelsabkommen, Fleischabfall-, Milchüberproduktions- und Handymüllexporte wird geringfügig weniger groß. Das ändert auch nix.

Im “Konzert der Großmächte” wird die Stimme der EU geringfügig kleiner, eine weitere kommt dazu. Wirklich? Als Atommacht war UK sowieso eine eigene Stimme. So what?

Muss man Angst um die EU haben? Die derzeit mit Kriegsschiffen Flüchtlinge bekämpft, auch viele rettet, was aber erkennbar nicht die Bauweise und Funktion dieser Schiffe ist. Die Geheimverhandlungen mit anderen Großmächten über unser Rechtssystem und unsere Verfassung führt (TTIP, Ceta etc.), ohne demokratischen Auftrag. Die in ihrem Inneren Rassismus und Menschenhass systematisch integriert und deren Opfer systematisch bekämpft.

Manche meinen, durch den Brexit würde die Londoner “City”, imaginiert als “Zentrale des Finanzkapitalismus” Probleme bekommen. Das glaube ich nicht. Sicher, ein Brexit würde für die Banken, Hedgefonds und ihre Rechtsanwaltskanzleien Mehrarbeit bedeuten. Vielleicht ist der eine oder andere Umzug nach Frankfurt, Brüssel oder Paris erforderlich. Wer freut sich schon darüber? Aber natürlich werden sie bei den “Auflösungsverhandlungen” zwischen EU und UK effizient lobbyieren. Gegner von ihnen sitzen da ja nicht am Tisch.

So what?

In dankenswerter Klarheit legte nach dem Brexit-Votum der Sprecher des Bundesverbandes der Deutschen Industrie Kerber den Klassenstandpunkt der vermutlichen Mehrheit des deutschen Kapitals im Deutschlandfunk-Interview dar.

Wie könnte die EU reagieren? Vorschläge des Kolumnisten Thomas Fricke, einst bei der Financial Times Deutschland, nach deren Schließung von Spiegel-online angeworben.