Als Beueler vermeidet man Rheinüberquerungen, wenn man nicht rüber “muss”. Ebenso verständnislos steht man der Tatsache gegenüber, dass immer wieder linksrheinische Menschenmassen Beuel unkontrolliert überschwemmen, und die Brücke nach Lust und Laune überqueren, um Busse, Bahnen, Bioladen, Eisdiele, Programmkinos und demnächst das Pantheon zu überfüllen. Um Fluchtursachen von Linksrheinern zu begrenzen, werden jetzt in Beuel schon Studentenwohnheime gebaut. Ein besonderes Problem sind die Fahrradfahrer*innen, die sich in besonders ungehemmter Weise vermehren. Man fragt sich, wann endlich ein Buch von Sarrazin über sie erscheint.
In einem Anflug von Unbeherrschtheit und tierischen Instinkten unternahm ich heute morgen dennoch einen Versuch, mit dem Fahrrad nach Bonn rüber zu fahren. Ich ahnte, dass ich was Verbotenes tat, aber meine Unvernunft hatte mich übermannt.

Am Beueler Brückenkopf haben wir einen ampelgesicherten Überweg, durch gestrichelte Linien getrennt für Fußgänger und Radfahrer, um die Brückenseite je nach Bedarf wechseln zu können.
In der Alltagspraxis halten weder Fußgänger noch Radfahrer diese Abgrenzungen ein, sondern nutzen es nach Opportunität – in der Regel ohne Konflikte. Besonders peinlich ist es mir als Radfahrer und Fußgänger immer, wenn ich zunächst ausgedehnt auf ein Ampelgrün warte, das aber zielsicher immer genau dann erscheint, wenn sich gerade eine – gerne vollbesetzte – Bahn genähert hat. Man würde sie gerne generös durchwinken, weil es so peinlich ist. Die Softwareprogrammierer der Bonner Ampelschaltungen behaupten, das sei alternativlos. Antwort darauf: außer man ist in einer anderen Stadt ;-)
Diesen Überweg – regelgerecht auf der Fahrradspur – nutzte ich heute morgen als Radfahrer bei Grün, um auf der gegenüberliegenden Seite die Brückenauffahrt zu erreichen.
Ich blickte zweimal in alle Richtungen, um beim Abbiegen Kollisionen zu vermeiden, zeigte mit meinem Arm meine beabsichtigte Rechtsabbiegung an.
Beides machen nach meiner Beobachtung keine 10% der Radfahrer – das trügerische Gefühl eines “vorbildlichen” Verhaltens.
Ich wurde nämlich von den gut sichtbar kontrollierenden Polizeibeamten angehalten, um 10 Euro zu bezahlen.
Weil ich rechtsseitig, die Fußgängerspur ist linksseitig, die gestrichelte Linie der Fahrradspur überfahren hatte, um einen günstigeren Winkel zur Brückenauffahrt zu erreichen.
Zu behindernde Fahrzeuge waren nicht anwesend. Ich bin auch nicht in den Haltebereich für Kfz. vor der Ampel eingefahren.
Barzahlung war nicht möglich.
Als das Lesegerät für die EC-Karte nicht funktionierte, fragte der Beamte: “Was ist das denn für eine Karte?”
Ich antwortete: “Steht doch drauf!”
Er machte darauf ein Gesicht, als wäre das schon eine Beamtenbeleidigung gewesen.
Es endete friedlich; beim 2. Versuch funktionierte das Gerät.
Bonn ist ja nicht Sachsen.

Hier noch ein paar Vorschläge für Polizeikontrollen:
Tempokontrollen in allen Tempo-30-Straßen.
Kontrolle aller Fuß-&Radwege an Rheinufer, Rheindeich, Brohltalbahnweg etc. auf verbrennungsmotor-getriebene regelwidrige Nutzer*innen
Kontrolle an der Kreuzung Belderberg/Suttner-Platz, wo es bereits Todesopfer gegeben hat, weil rechtsabbiegende Autofahrer mit überhöhter Geschwindigkeit Fußgänger und Radfahrer gefährden, weil sie sich im Angesicht roter Fußgängerampeln “im Recht” fühlen
Ermahnung von Radrennfahrern, die vorzugsweisse an stark frequentierten Sonn- und Feiertagen, am Rheinufer und auf den Deichwegen kampfradlerartige “Trainingsfahrten” unternehmen.
Kampfradler-Kontrollen auch auf der Brücke, denn sie gefährden sich und alle andern – dagegen ist nichts einzuwenden.
Aber schade, dass ich keine Bodycam dabei hatte – “extra3” (NDR-Fernsehen) hätte das Filmchen sicher gerne genommen.