Bundeskanzlerin Merkel hat letzte Woche, sie muss ja jetzt auch alles selber machen, die Strategie-PR der GrĂŒnen ĂŒbernommen. Sie seien nicht ihr Lieblingskoalitionspartner, sowas in der Art soll sie gesagt haben. Denn sie hat erkannt: so wie Kretschmann und seine Freund*inn*e*n bei den GrĂŒnen es machen, treiben sie GrĂŒnen-WĂ€hler*innen zu SPD und Linken. Das wĂŒrde dazu fĂŒhren, das Schwarz-GrĂŒn keine Chance auf eine Parlamentsmehrheit hĂ€tte.
Die NRW-GrĂŒnen scheinen mehrheitlich ein Rot-Rot-GrĂŒn-BĂŒndnis vorzuziehen. GrĂŒne MdBs werden, ausser in Berlin, nicht dadurch gewĂ€hlt, dass sie Direktwahlkreise gewinnen, sondern indem ihnen gemĂ€ss dem Wahlergebnis Sitze in der Reihenfolge einer “Reserveliste” im jeweiligen Bundesland zugeteilt werden. Diese Reserveliste haben die GrĂŒnen fĂŒr NRW gestern Abend nominiert. Sie wird zwar von zwei “Realos” angefĂŒhrt, die bei Schwarz-GrĂŒn relativ schmerzfrei wĂ€ren, dann folgen aber zunĂ€chst 7 Kandidat*inn*en, die die Weichen lieber nach links stellen wĂŒrden. AngefĂŒhrt werden sie von der Bonnerin Katja Dörner, die Platz 3 mit 86% der Delegiertenstimmen eroberte.
Der Kölner Volker Beck schaffte es nicht. Er wird aus dem Bundestag, dem er seit 1994 ununterbrochen angehörte, ausscheiden. Viele Menschen, insbesondere ausserhalb der GrĂŒnen, sind traurig darĂŒber. Beck hat im Bereich der Menschenrechts- und BĂŒrgerrechtspolitik, auch fĂŒr seine Partei, Überdurchschnittliches geleistet. Parteien sind nicht dankbar, auch die GrĂŒnen nicht. Das ist auch nicht ihre verfassungsmĂ€ssige Aufgabe.
Die JĂŒngeren, die jetzt antreten, könnten das auch. Im Karrieremanagement sind sie mindestens genauso professionell. Die GrĂŒne NRW-Liste war schon im Vorfeld weitgehend durch Bezirksabsprachen geregelt. Jetzt mĂŒssen sie gesellschaftlich allerdings endlich mal das KĂ€mpfen lernen. Es gibt da draußen ein Leben ausserhalb der Parteiseilschaften.