Was einer Frau passiert, die in nachrichtenarmen Zeiten öffentlich kritische Fragen an Polizeistrategien artikuliert, das erfĂ€hrt nach Renate KĂŒnast nun die GrĂŒne Parteivorsitzende Peter. Dass RegionalblĂ€tter und Polizeilobbyisten danach ĂŒber sie herfallen, ist ja eher Werbung fĂŒr die GrĂŒnen, aber besonders geschmackvoll gelingt das immer noch ihren eigenen Parteifreunden.
Update: grĂŒndlicher als ich setzte sich schon einen Tag vor mir, ich habs nur erst spĂ€ter gemerkt, Stefan Niggemeier damit auseinander.
In dem ganzen MĂŒll, der darum verbreitet wird, muss an Adenauer erinnert werden: “Man muss doch auch mal das Positive sehen.” Da hĂ€tte ich fast den Beitrag der nun auch “schon” 30-jĂ€hrigen Laurie Penny, dem Popstar des aktuellen Feminismus, ĂŒbersehen, den die taz in deutscher Übersetzung geliefert hat. Die Autorin ist nicht in Gefahr, von den deutschnationalen Diskursen vernagelt zu werden, lebt sie doch in einem Land, in dem die Klassen- und GewaltverhĂ€ltnisse aktuell ausgesprochen radikal gestaltet sind, man aber gleichzeitig an den Anblick zahlreicher “anders aussehender” Menschen schon lĂ€nger und in grĂ¶ĂŸerer Zahl gewöhnt ist. Ich habe Miss Penny’s “Fleischmarkt” gelesen, doch, das ist sehr weiterzuempfehlen, an MĂ€dels und Jungs.
Was Laurie Penny theoretisch und politisch ausfĂŒhrt, dafĂŒr gibt es heute Nacht (23.45 h) in der ARD eine schöne Illustration: “20 Feet From Stardom”, ein 2014 produzierter und oscarprĂ€mierter Dokumentarfilm erzĂ€hlt anhand von zahlreichen Zeitzeug*inn*en-Interviews die Geschichte – mehrheitlich schwarzer – Background-SĂ€ngerinnen in der Popindustrie. Sie erzĂ€hlen von Kampf und beinharter kĂŒnstlerischer Arbeit in einer Zeit gesellschaftlichen Umbruchs in den USA. Der Film zeigt, wenn mir diese Bemerkung als heterosexueller Mann erlaubt ist, wie schön ein Schritt fĂŒr Schritt erfolgreicher emanzipatorischer Kampf Frauen machen kann. Da die ARD den Film auch im Internet-Livestream ausstrahlt, besteht Hoffnung, dass er auch noch einige Zeit in ihrer Mediathek zu sehen sein wird. Da es urheberrechtlich total verboten ist, darf ich hier auf keinen Fall DVDs meiner privaten Videoaufzeichnung anbieten.
Und ich weiss nicht, ob sie es wussten, aber ….. die FrauenhĂ€user hierzulande sind schon seit vielen Jahren ĂŒberbelegt, ĂŒberlastet, knapp bei Kasse, von Spenden und Fördergeldern nicht verwöhnt, das war vor dem Kölner Sylvester schon schlimm, und komisch, das ist es immer noch. Übrigens auch bei uns in Bonn. Man kann auch Anfang des Jahres spenden, z. B. hier.

Update: Ein dankbarer Gegenstand fĂŒr die kĂ€mpferische Verbindung von Feminismus, Klassenkampf und internationaler SolidaritĂ€t (statt Dominanz) wĂ€re im ĂŒbrigen die expandierende deutsche Pflegebranche. An anderer Stelle hatte ich bereits auf
diesen Aufsatz in den BlÀttern und
diesen Text bei oxiblog hingewiesen.

Update 20.1.: zu Köln fand sich zwei Wochen spÀter noch diese lesenswerte Abhandlung aus feministischer Sicht von Jana Klein.