Ich könnte schwach werden. Sibylle Berg will eine neue Partei gründen. Ich fürchte nur, und sie selbst wahrscheinlich auch, dass sie bei weitem nicht so gut politisch organisieren wie schreiben kann. Und auf ihren sympathisch radikalen Weltsichten beharren, statt Kompromisse schliessen und dann Solidarität üben will. Das ist das Spannungsfeld, das immer weniger Leute in unseren Gesellschaften beherrschen.
Die absolut zeitgemässen und richtigen Fragen zur Weiterentwicklung demokratischer Politik formulieren Georg Diez und Emanuel Heisenberg (lustig: diesen Nachnamen trug der Namensgeber meiner Schule und der Bösewicht in “Breaking Bad”) für eine neuzugründende digitale Diskussionsplattform “disrupt democracy”. Ich werde mit Interesse verfolgen, ob dort auch Antworten gefunden werden; oder ob es eine weitere akademisch-intellektuelle Selbstbespiegelung wird, Spannungsfeld s.o.
Sehr informativ für den provinziellen Horizont des deutschen Politdiskurses ist dieses Telepolis-Interview mit der in Ungarn arbeitenden Politikwissenschaftlerin Dorothee Bohle zur ökonomisch-politischen Lage der westlich Russlands gelegenen sonstigen osteuropäischen Staaten. Sie lassen sich nicht subsummieren; wer dort fortschrittlichen Einfluss nehmen will, muss sehr individuell zugeschnittene Strategien entwickeln. Gibt es in der EU jemand, der/die das kann? Ich zweifle.

Über den/die Autor*in: Martin Böttger

Martin Böttger ist seit 2014 Herausgeber des Beueler-Extradienst. Sein Lebenslauf findet sich hier...
Sie können dem Autor auch via Fediverse folgen unter: @martin.boettger@extradienst.net