Werner Rambow gestorben

Von , am Mittwoch, 8. März 2017, in Beuel & Umland, Politik.

Werner Rambow, Beueler Bezirksbürgermeister 2012-14, ist tot. Der Krebs hat ihn geschafft. Ich lernte ihn schon Ende der 70er kennen, in der Fachschaft Politikwissenschaften an der Uni Bonn. Er folgte als Aktivist des Marxistischen Studentenbundes Spartakus Raimund Thomas-Wilmsen nach, ein kontrastreicher Wechsel. Raimund war ein nachdenklicher Intellektueller, Werner war ein Macher, der schnell was erreichen wollte. Später als Grüner Kommunalpolitiker sollte ihm die damit verbundene Hartnäckigkeit von Vorteil sein.

Nachdem er seine Druckerei 2003 dichtmachen musste, geriet Werner privat bald in die Mühlen der deutschen Sozialpoliitik und wurde “Kunde” von Hartz IV. Von dort verurteilte man ihn zur Jobaufnahme in einem Callcenter. Das hielt er nicht nur bemerkenswert lange durch – ich wäre dort zügig kollabiert – sondern brachte es sogar zum gewählten Betriebsrat und bildete dort eine kampfbewusste Minderheitsfraktion. Seine kommunalpolitische Konkurrenz in den anderen Parteien, aber auch in seiner eigeen, interessierte sich dafür wenig. Das ist bis heute eine andere Welt.

Rambow hielt sich gerne in anderen als politischen Welten auf – da ging es ihm ähnlich wie mir. Ausserhalb von Fraktionsbüros und Verhandlungsräumen wird einem mehr Achtung und Respekt entgegengebracht. Wir verkehrten beide im “El Horizonte”; ich in erster Linie wg. Fussball, der interessierte Werner nicht; ihn interessierten die sozial sehr gemischten Leute dort. Nach Mike Mennen hat Kamel Bsissa nun schon wieder eine Stammkunden weniger.

Hier der Nachruf der Beueler Grünen im Wortlaut:

Werner. Ein Nachruf
Werner Rambow ist tot. Er starb an einem bösartigen Lungentumor. Werner ist ohne Schmerzen am Vormittag des 07. März 2017 im Johanniter Krankenhaus in Bonn eingeschlafen. Trotz schwerer Krankheit hat er noch wenige Wochen zuvor politische Pläne für sein Beuel geschmiedet.

Wir – besonders als Beueler Grüne – sind Werner verbunden und dankbar. Er war ein politischer Linker und Grüner Aktivist eigener Prägung. Er liebte den Kontakt, das vertiefte Gespräch und die Anerkennung seiner Zuhörer. Er war einfallsreich und ausdauernd für seine Ziele, findig und zäh in der Durchsetzung. Er litt, wenn die politischen Konstellationen aus schierer Machtfülle eine wichtige Entscheidung unmöglich machten.

Werner war für die GRÜNEN seit 2005 im Stadtbezirk präsent, machte Ortstermine, verhandelte lokale Koalitionen, hielt Bürgersprechstunden ab und plante mit Weitblick für den Stadtbezirk.

Er war denkmalpolitischer Sprecher der Ratsfraktion. Nach einigen Jahren als Fraktionsvorsitzender in Beuel wurde er als erster GRÜNER 2012 – 2014 Bezirksbürgermeister von Beuel und setzte prompt Akzente: er fuhr mit dem Fahrrad zu Terminen, anstelle Chauffeurdienste in Anspruch zu nehmen.

Werner war volksnah wie kaum ein Mitglied der GRÜNEN Partei. Das verschaffte ihm Anerkennung in weiten Kreisen der Beueler Bürgergesellschaft. Weniger als 40 Stimmen fehlten ihm zum Direktwahlmandat in Beuel-Mitte, als 2014 der Stadtrat neu gewählt wurde.

Wir verlieren nicht nur einen fähigen Kommunalpolitiker, sondern auch einen guten Freund. Wir werden sein verschmitztes Lächeln, sein Engagement, seine Zuverlässigkeit und sein Durchhaltevermögen vermissen. Zuletzt blieb ihm das Glück versagt, seine Gesundheit wieder zu erlangen. Er konnte die letzte wichtigste Etappe nicht für sich entscheiden. Wir sind sehr traurig.

Ein Kommentar zu “Werner Rambow gestorben

  1. Carsten Jenrich

    Habe es leider erst heute erfahren. Ruhe in Frieden. Du warst ein toller Arbeitgeber. Ich bin sehr traurig. Carsten Jenrich, Drucker in der Printwerkstatt Rambow von 1995-1998

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