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E-Mobilität: China dreht uns eine lange Nase

Die angeblichen Verteidiger von Industrieinteressen sind ihr eigentlicher Ruin, egal ob diese Witzfigur Trump oder Dobrindt heisst. Offen bleibt hier, wie in vielem, die Rolle des Weissen Blatts Martin Schulz. Der hat eben seine eigene Dramaturgie.
Sebastian Heilmann, einer der besten deutschen China-Kenner, beschreibt heute in der FAS die E-Mobilitätsstrategie der chinesischen Regierung. Die Lebensgefahr für die Autoindustrie in Europa und Nordamerika grinst hier aus jeder Zeile. Allein eine adäquate Reaktion der hiesigen Politik ist nicht zu erkennen.

Dazu ein kleines Beispiel aus dem Alltagsgeschehen auf der Kennedybrücke. Die eigentliche Pest der warmwerdenden Jahreszeit sind die Mopeds und Vespas. Ihre Emissionen an Dreck und Lärm übertreffen spielend so manchen LKW und Bus (unsere tollen 6 E-Busse sowieso). Als Fahrradfahrer weiss ich, dass ich auf der Brücke besser immer die “falsche” Seite zur Überquerung nutze. Denn wenn auf der “richtigen” ein Moped neben und knapp vor mir herfährt, geniesse ich eine nachhaltig stinkende Giftwolke und könnte mich genauso bei laufendem Motor in eine Garage legen.
Die Seuche sind die 2-Takt-Motoren. Warum sind die überhaupt noch erlaubt? Warum sind sie nicht schon längst durch E-Motoren ersetzt, wie sie jetzt auch immer mehr auf Fahrrädern zum Einsatz kommen? Das ist wirklich hinterwäldlerisch und ein stinkendes und lärmendes Zeichen dafür, wie unsere Verkehrspolitik auch unsere industriepolitische und ökonomische Basis ruiniert.

Und die die draufsitzen, wissen das auch – gucken Sie sich mal deren Körpersprache auf dem Fahrzeug an. Lust geht anders.

Und noch ein ergänzender Hinweis: die entsprechenden Wikipedia-Einträge sind bemerkenswert “gut” von der Industrielobby “gepflegt”; die können sich gute Öffentlichkeitsarbeiter*innen leisten. Es geht online eben genauso zu, wie in der Gesamtgesellschaft: rückwärtsgewandt, Eigentore.

2 Kommentare

  1. Roland Appel

    Ich bin nicht der Meinung, dass uns Chine in irgend einer Weise in Mobilitätsfragen überlegen ist. Im Forschungsprojekt SeDaFa – Selbstdatenschutz im vernetzten Fahzeug des SIT Fraunhofer Instituts erforschen Institute und industrielle Partner wie VW und die Daimler AG die Datenschutzrisiken insbesondere der E-Mobilität. China ist führend in der Implementation der totalen Fahrer- und Fahrzeugüberwachung im Zusammenhang mit E-Fahrzeugen. Ladezustand, Fahrerzustand und -Gesundheit wie Müdigkeit, Aufregung, Ziele, Fahrwege, Adressen, Kommunikationsdaten, werden zu Bewegungs- und Verhaltensprofilen zusammengefasst und dem chinesischen Staat online übermittelt. Und wer erzeugt in China den Strom für die E-Autos? Kohlekraftwerke mit 30% Wirkungsgrad – jeder moderne Otto- oder Dieselmotor erreicht das Doppelte.. Überwachungsterror und CO² Ausstoß ohne Skrupel. DAS kann ja wohl nicht die Zukunftsmobilität sein!
    Genauso gehört jeder Zweitaktmotor natürlich längst verboten und E-Mobile sind kokolores, sofern sie nicht mit 100% Solarstrom geladen werden. Und das ist in Deutschland nirgendwo der Fall.

    • Martin Böttger

      Lieber Roland, ich würde Dir nur zum Teil rechtgeben.
      Sicher interessiert sich die chinesische Regierung nicht für Datenschutz, technisch allenfalls als Schutz gegen “feindliche” Hacker, aber sicher nicht für ihre Bürger*innen, im Gegenteil. Ich fürchte nur, dass das für die ökonomische Durchsetzung von Technologien auch kein entscheidender Faktor sein wird, sondern dass das, da wären wir wieder einig, eine hochwichtige politische Aufgabe ist, das abzusichern. Das wiederum sieht in China nicht gut aus, klar.
      Zum chinesischen Strom hast Du natürlich auch Recht, aber nur für die Gegenwart. China geht in der Veränderung nämlich – leider fast allen anderen, auch “uns” – voran: es legt riesige Kohlekraftwerkskapazitäten still, aus purer Atemnot, es ist bereits, auch dank unserer genialen Bundesregierung, Weltmeister im Solarexport und im Zubau von Windenergie.

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