Nein, das ist kein Titel von Adorno. Der Autor des gleichnamigen Werkes war Guy Debord, es erschien vor 50 Jahren. Sein deutscher Verleger Klaus Bittermannn, in seiner Freizeit BVB-Fan, widmete ihm heute in der Jungen Welt den besten Text des Tages. Die SubversivitĂ€t des Spazierens begegnet uns hier wieder. Ich wĂŒrde gerne eine Verfilmung dieses Lebens sehen; ich glaube, sie mĂŒsste in schwarz-weiß sein.
So beeindruckend die inhaltliche und sprachliche RadikalitĂ€t von Bittermann und Debord ist, so unerbittlich realitĂ€tsorientiert und vernĂŒnftig argumentiert Albrecht von Lucke “Die neue Linke und die alte Gewaltfrage“. In einem wichtigen Argument stimme ich ihm besonders zu: Grund- und Menschenrechte, und seien sie auch noch so “bĂŒrgerlich”, sind kein strategisches oder taktisches Mittel zur Erreichung höherer Ziele, sondern sind selbst ein Zweck und Ziel. TĂŒrkische Oppositionelle verstehen das derzeit besonders gut. Wir dagegen mĂŒssen uns öfter daran erinnern.
Update 31.7.: Zu unserer Wahrnehmung von Gewalt weitere Hinweise von Charlotte Wiedemann.
Weitere bemerkenswerte Texte in der Jungen Welt:
Jörg Kronauer verdeutlicht, wie auch gestern schon Christoph Marischka auf telepolis, dass Uschi es nicht lassen kann: uns, der Öffentlichkeit, eine ErzĂ€hlung weiszumachen, die von der brutalen Wirklichkeit von KriegsfĂŒhrung und Großmachtstreben ablenken soll. Thomas Pany analysiert heute, wie Macron versucht, die europĂ€ische Pole Position in der Großmachtkonkurrenz zu erobern. By the way: was macht eigentlich Pulse of Europe? Antwort: nicht mehr wöchentlich, sondern “jeden ersten Sonntag im Monat” soll demonstriert werden. Der Augusttermin in Köln “entfĂ€llt” allerdings.
Reinhard Lauterbach, Osteuropa-Korrespondent der Jungen Welt, beeindruckt durch seine eigenstĂ€ndige Position. Heute erinnert er an die stalinistische Repression vor 80 Jahren; kaum zu glauben, wie dieses Land in diesem Zustand wenige Jahre spĂ€ter in der Lage war im “Großen VaterlĂ€ndischen Krieg” die deutschen Faschisten zurĂŒckzuschlagen.
Noch ein Hinweis fĂŒr Trump-Analyst*inn*en: mehrere Besprechungen zum neuen Buch der Kanadierin Naomi Klein: von Ingo Arend, Arno Widmann und Lalon Sander. Positiv verhaltensauffĂ€llig in der Tagesberichterstattung ist fĂŒr mich FAZ-Korrespondentin Frauke Steffens, besonders bemerkenswert ihre WĂŒrdigung der weiblichen WiderstĂ€ndlerinnen im Senat.