Hält Deutschland das aus? Die jahrzehntelange deutsche Dominanz im Frauenfussball ist zuende. Eine gute Schulung für die Politik, wenn es in der globalen und europäischen Grossmachtkonkurrenz zu ähnlichen Ergebnissen kommen sollte. Für die europäische Entwicklung des Frauenfussballs könnte diese EM dagegen nicht besser verlaufen. Die alte Männer-Bundestrainer-Weisheit “Es gibt keine Kleinen mehr” ist offensichtlich bei den europäischen Fußball-Ladies endlich wahr geworden.
Was die bisherigen Viertelfinalsiegerinnen aus den Niederlanden und Dänemark sportlich gezeigt haben, sind keine Zufallsprodukte. Obwohl sie auch individuell herausragende Spielerinnen haben – van de Sanden, Harder, Nadim – funktionieren sie vor allem als Gemeinschaft, in der jede der anderen hilft, und in der vor allem alle zusammen sehr viel Spass an der gemeinsamen Leistung haben.
Das ist das Schöne am Fußball, dass er zwar nicht immer gerecht ist, aber eben auch nicht berechenbar, und dass er auf Dauer für tolle Gemeinschaftsleistungen auch tolle Ergebnisse und Belohnungen bereithält.
Beim Frauenfussball sind die Belohnungen bisher überwiegend nichtmaterieller Art. Würde ich hier Details recherchieren, müssten mann wahrscheinlich in bitteres Mitleid ausbrechen. Aber vielleicht liegt auch hierin (noch) ein Grund für den aufregenden Verlauf des EM-Turniers und seine bisherigen so grundsympathischen Siegerinnen.
Ein fettes Kompliment noch an ZDF-Kommentatorin Claudia Neumann. Wie jeder andere auch war sie enttäuscht über den Spielverlauf und sparte nicht mit harter Kritik. Es war aber überwiegend keine Kritik an individuellen Unzulänglichkeiten, die die Männer immer so sehr lieben, sondern eine treffende Kritik an Strategie und Taktik der Mannschaft. Es gehört zur spielerischen Reifung starker Mannschaften und ihrer Trainer*innen*stäbe, auch das auszuhalten. Als TV-Zuschauer wäre ich froh, wenn Frau Neumann auch nach dem deutschen Ausscheiden noch mehr wichtige Einsätze bekommt.

Nadia Nadim – das ZDF musste schnell aus den Niederlanden zu seinem bei einer Generation besonders beliebten “Fernsehgarten” umschalten. Im Internet-Kanal zdfsport.de war eben noch Torschützin Nadim zu hören – eine Dame afghanischer Herkunft, die dem Reporter in fliessendem Dänisch-Deutsch Auskunft gibt. Grossartig. Ich weiss nicht, ob das ZDF das online weiter anbietet. Sie sollten es sich nicht entgehen lassen.