Wer ist “der am meisten überforderte Intendant”?

Von , am Montag, 11. Dezember 2017, in Beuel & Umland, Fußball, Lesebefehle, Medien.

In Berlin würde jetzt alle schreiend aufstehen und “Dercon” rufen. Ungerecht. Wir sind ja auch nicht in Berlin. Helmich ist es auch nicht, nach meiner Wahrnehmung eher ein kluger Stratege, der mit immer enger werdenden Spielräumen von seiten einer kurzsichtigen Kommunalpolitik klarkommen muss. Nein, der geschätzte Kollege Rene Martens hat diesen “Eindruck” vom aktuellen WDR-Intendanten Tom Buhrow gewonnen. Und damit könnte er rechthaben.
Buhrow habe ich in den 80er Jahren noch bei Kölner Antifa-Demos mitlaufen gesehen. Lockerer Typ mit fortschrittlichen Ansichten, so setzte er sich in meiner Erinnerung fest. Das allein reicht offensichtlich nicht, ein immer mehr Fett ansetzendes Dickschiff durch unruhige Gewässer zu steuern. Fett schwimmt immer oben? Ja, das könnte die herrschende “Philosophie” des WDR von heute sein. Programminnovationen sind aus dem Haus schon lange nicht mehr wahrzunehmen. Und wenn, werden sie mutlos selbst versenkt, bevor es böswillige Andere tun.
Pikant, dass das böse Urteil von Martens in einer Kolumne (“Altpapier” heisst die auch noch ganz frech) erscheint, die erst vor ein paar Monaten vom Mediendienst der Evangelischen Kirche (evangelisch.de) zum MDR gewandert ist, der wiederum von einer Intendantin geführt wird, die derzeit auch der ARD vorsitzt; und dabei bisher keinen „überforderten“ Eindruck macht. Ein Lob also auf die dort herrschende innere Pressefreiheit! Doch “presseähnlich”, das soll nach dem Willen von Buhrow und Döpfner ja jetzt aufhören.
Medienkonzerne und Medienanstalten, die ihre vornehmste Aufgabe in der Demokratie nicht in der Verbreitung, sondern in der Prohibition von Nachrichten und Informationen sehen – wer braucht die?

Diese Verzweiflung hat auch Stefan Stuckmann (uebermedien.de) beim Anblick der Mediatheken von ARD und ZDF erfasst. Vorsicht: nach längerem Lesen erscheint eine Paywall, die aber gewöhnlich nach knapp einer Woche entfernt wird.

Noch einmal zurück zu Rene Martens’ Kolumne: dort wird das Thema Landesmedienanstalten erneut aufgegriffen, mit den exakt richtigen sachdienlichen Hinweisen, die wir hier schon in den Kommentaren unter einem Text von Roland Appel diskutiert hatten.

Die Intendantin, die den gestrigen RBB-Tatort mit zu verantworten hat, scheint leider auch “überfordert”. Eine Menschenrechtsverletzung an einer Schauspielerin wie Meret Becker, dass sie bei sowas mitspielen musste. Kürzlich wurde “Kleine Haie” nach langer Zeit wiederholt, da war sie auf dem Höhepunkt ihres Schaffens zu sehen. 8,3 Mio. bei schlechtestmöglichem Wetter ist für einen Tatort ausserordentlich bescheiden. Bei Anne Will – kein Mitleid! – waren 5 Mio. dem Sender entflohen, mit dem good old “heute-Journal” hatte das ZDF die ARD bereits wieder um 1 Mio. überholt. Die Zuschauer*innen sind eben nicht so doof, wie die Programmdirektionen meinen.

Und was machen die Borussen?
Zunächst ein Wort eines Borussen an die FC-Fans in Beuel, Ehrenfeld und anderswo: Ihr braucht nicht zu weinen. Es gibt so viele andere schöne Dinge im Leben als Fussball. Und allein, dass sich die bescheuerte Stadiondiskussion in Köln damit von alleine erledigt … ist es doch wert. Was wir dadurch alles sparen, statt es auf die Konten der Kölner Baumafia zu schaufeln.
Nun zu den anderen, den BVB-Borussen, ein Abbild der SPD, in ihrer Herzkammer. Danial Montazeri, der Beste in der Spiegel-online-Sportredaktion, hat eindeutig mehr Recht, als der zeitweilige Watzke-Lautsprecher Röckenhaus/SZ. Naja, BVB-Experte bei der Süddeutschen ist ja allein schon eine Strafe. Appell an meinen Gastautor Klaus Kleinöder: schreib’ doch mal was ;-)

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