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Pfiffe beim BVB – Tennispublikum im Westfalenstadion

von Gert Samuel

Der unaufhaltbare Trend im Profi-Fußball ist die vollständige Kommerzialisierung mitsamt der Instrumentalisierung des Fußballs als Bestandteil der Unterhaltungsindustrie. Und je nachdem, wie sich Mann oder Frau dazu verhalten, kommt eben „Tennispublikum” und entsprechendes Verhalten. (In Düsseldorf hatte ich das bei gelegentlichen Stadionbesuchen schon in den 80er Jahren erlebt.)

Leider scheint das – unaufhaltsam? – zur Regel zu werden, verstärkt durch solche inkompetenten Kommentatoren wie am Sonntag (Kai Dittmann), der meiner Meinung nach ein anderes Spiel (BVB-VW Wolfsburg 0:0) gesehen haben muss. Natürlich war ich nicht erbaut über die vergebenen vier großen Chancen des BVB – aber Pech und Glück lassen sich halt nicht verhindern bzw. erzwingen. Und ganz leicht kann so ein Spiel auch verloren gehen. Glücklicherweise hat Bürki zweimal richtig klasse reagiert.

Ich war zuletzt beim „Supercup“-Spiel gegen die Bayern im Stadion. Hinter mir saß und brüllte ein Herbert-Knebel-Typ permanent gegen den 18-jährigen Zagadou, der als gelernter Innenverteidiger auf der linken Seite verteidigen musste und natürlich nicht souverän spielte, sich allerdings in der zweite Halbzeit gut steigerte. Die Anspruchshaltung von Stadionbesuchern ist mir oft ein Rätsel. Alles muss sofort top sein. Entweder ein neuer Dembele oder ein Flop. Das langsame Heranführen junger Spieler und deren Bemühen werden immer weniger wertgeschätzt, weil nur noch Spektakel und vor allem das Ergebnis zählen. So müssen eben die 18-Jährigen dran glauben.

Funktionierendes Team aus jungen Millionären – geht das?

„Auba” wird immer mehr ein Thema für sich. Vielleicht kommt er nicht darüber hinweg, dass Dembele im Sommer nach Barcelona wechseln konnte, während er nicht gleichwertig woanders unterkam. Ich weiß nicht, ob er mit seinem Verhalten diesen kaum glaublichen Bruch nach dem 7. Bundesligaspieltag ausgelöst haben kann – aber der Bruch wird gewiss in der Mannschaft und den zum Schluss verzweifelten Bemühungen des vorherigen Trainerteams, diesen zu beheben, zu suchen sein. Die Abhängigkeit von solchen „Star-Spielern“ beeinflusst garantiert die Teamfähigkeit und fordert Spieler, Trainer und Management wohl immer wieder heraus. Wie lange kann so etwas ausgehalten werden, von allen Beteiligten?

Als Anhänger des schönen Spiels sitze ja nicht nur ich fragend vor den Abläufen und eben nicht nur während der 90 Minuten auf dem Spielfeld. Es hört sich vielleicht ein wenig platt an, aber wie es einen militärisch-industriellen Komplex gab und gibt, gibt es heute eine stetig wachsende Verzahnung von Medien, Unterhaltung und Fußball-Geschäft, die mich und andere zu Fantasten, Puristen und Nostalgikern machen.
Bei alle dem, Hut ab vor Jupp Heynckes und vielen anderen Trainern, die es schaffen, aus jungen Millionären ein funktionierendes Team zu formen und die auch noch ansehnlichen Fußball spielen.

Über den/die Autor*in: Gastautor*inn*en

Unter dem Namen "Gastautor*inn*en" fassen wir eine Reihe ganz verschiedener und oft unregelmäßig erscheinender Autor*inn*en und Quellen zusammen. Hierbei kann es sich um individuelle Personen, aber auch Institutionen handeln. Wir bedanken uns sehr für die freundliche Genehmigung zur Übernahme der Beiträge!

2 Comments

  1. Roland Appel

    Wenn ich Habitus mancher möchtegern “Starspieler” und Anspruchshaltung des beschriebenen Publikums sehe, wird mir der um den Abstieg kämpfende 1.FC Köln immer sympathischer. Was für eine Freude, dass nach dem Abgang des “Stars” Modeste und der anschließenden Pleitehalbsaison des FC nun ein “Zweitligatorjäger” namens Terrodde für wenig Geld, aber mit viel Identifikation mit seinem ehemaligen Heimatverein vom VfB kam und nun sogar dem Erzrivalen M’gladbach zum Auftakt der hoffentlich noch folgenden Rückkehrjagd aus den Abstiregsplätzen einen “reintun” durfte. Welch ein Jubel für Fleiß, Glück, Hartnäckigkeit ohne jeden Status und trotz wenig Hoffnung auf Ruhm und Championsleague. Danke!

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    • Martin Böttger

      Eine Zensur findet nicht statt. Obwohl sie an dieser Stelle mal angebracht gewesen wäre.

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