FĂĽr viele Individuen in den zerfallenden Volksparteien ist jetzt die Gelegenheit berĂĽhmt zu werden. Es ist zwar nicht gesichert, wie lange das anhält – ein Tag? eine Woche? – aber nur wenige wollen diese Gelegenheit an sich vorĂĽberziehen lassen. Ein Fest fĂĽr die Medien, die daraus im gewöhnlich nachrichtenarmen Karneval Funken schlagen können.

Die SPD ist dabei nicht der Hauptgegenstand, sondern gegenwärtig nur die symptomatischste Oberfläche, und gibt sich dem in organisationspolitisch masochistischer Weise hin. Was mich als linken GrĂĽnen dabei – ähnlich wie in meiner eigenen Partei – besonders schmerzt ist die Substanzarmut der sich selbst so verstehenden “Linken”. Sie können sich derzeit wirklich kaum um Benachteiligung durch gegnerische Medien beklagen (warum wohl nicht?), und gehen scheinbar auch an keinem Mikrofon vorbei.

Doch welche Botschaft wird dabei vermittelt, die auch Menschen ohne SPD-Mitgliedschaft interessieren könnte? Allein die “sozusagen”-Frequenz im DLF-Interview des Dortmunder MdB Marco BĂĽlow heute mittag ist schon ein Signal, dass es an gedanklicher Klarheit mangelt. In zahlreichen Interviewminuten gelang es ihm weder mitzuteilen, ob er fĂĽr oder gegen eine Parteivorsitzende Nahles wäre; und noch weniger aus welchen inhaltlichen GrĂĽnden. Ein fragwĂĽrdiges KunststĂĽck, das derzeit leider die meisten seiner linken Genoss*inn*en vorfĂĽhren.

Es rächt sich leider auch – ein Konflikt, den ich schon in den GrĂĽnen der 90er Jahre erlebte – wenn der Diskurs zwischen regierungskritischen und regierungswilligen Parteilinken zerbricht, sich gar zu persönlichen Feindschaften auswächst. In der SPD ist das ein Schlachtfest fĂĽr Genossen, wie Hombach, Gabriel bis hin zu Ex-Genossen wie Clement, zusammengefasst den “FroGs”(Friends of Gerhard Schröder).

Die CDU schafft es nur mit abnehmendem Erfolg, sich hinter dem SPD-Geschehen zu verbergen. Merkel wird nicht hinschmeissen wie Schulz. Das ist nicht ihre Kragenweite. Aber wie lange sie sich der Haifische erwehren kann, ist offen.

Eine “Generationen”-Frage wird dabei nur vorgeschoben (wie ich es schon – besonders lächerlich – bei der Bonner GrĂĽnen-Ratsfraktion erlebt habe). Es geht nicht um Generationen oder Altersgruppen. Es geht um Karrierewettbewerb – und immer verdeckter, klandestiner, und fĂĽr die Ă–ffentlichkeit nicht mehr erkennbar – um Richtungskämpfe.

Das schreckliche anstandsarme Spiel, das dabei aufgeführt wird, nützt objektiv denen, die bei ihren Geschäften möglichst wenig von demokratischer Politik belästigt werden wollen. Sie sind auf einem guten Weg.