“Grösste GroKo ist die SPD” / Digitale Wahrheitsfindung

Von , am Sonntag, 18. Februar 2018, in Lesebefehle, Medien, Politik.

Mike Groschek meint das: “Die grösste Grosse Koalition ist die SPD”. Diese Logik des einst “mächtigen” NRW-Landesvorsitzenden lädt zu zahlreichen Kalauern ein. Die “Grosse” Koalition kommt derzeit bei allen Umfrageinstituten auf 50%, beim AfD-nahen Insa ist sie weit darunter, ungefähr da, wo die SPD 1972 alleine war. Groschek wagt zahlreiche Vorhersagen: die SPD-Mitglieder stimmen mehrheitlich für die GroKo, Andrea Nahles wird Chefin. Und das Wichtigste: es wird Politik zur Verbesserung unserer Lebenslage geben. Glaubwürdig?
Der taz gelingt anlässlich Yücel-Freilassung und Münchener Unsicherheitskonferenz ein fast spiegel-artiges Stück (zu besseren Zeiten dieser Illustrierten; mit dabei: Ex-Jungdemokrat Pascal Beucker) über den Noch-Aussenminister Sigmar Gabriel. Dem wäre nur noch die Bemerkung von Arnd Henze (WDR, Hauptstadtstudio; ehem. “Dellbrücker Forum“) in der Tagesschau hinzuzufügen, dass er für diese Inszenierung ein politisch relevantes Aussenministertreffen zur Ukraine-Krise habe platzen lassen. Mmmhh.
Hörenswert auch die gestrige Schlussanprache Wilfried Schmicklers in den WDR-Mitternachtsspitzen (ab Minute 53), der seine alte sozialdemokratischer Ader gar nicht erst zu verleugnen versucht.

In der DLF-Reihe “Essay und Diskurs” ging es heute am Beispiel des Zitats und seiner Quellenangabe um den Wandel unserer Wahrheitsfindung in der Digitalisierung. Ich empfinde es als grossen Mangel, dass es darüber bisher nur wenig Forschungsveröffentlichungen gibt, weil dieser Wandel im Alltag spürbar und längst auch politikmächtig ist.
Ob digital oder analog sind die Bedingungen der Wahrheitsfindung aber immer politisch und ökonomisch eine Machtfrage. Gut illustriert wird das – mal wieder – von FAZ-US-Korrespondentin Frauke Steffens am Beispiel von Trumps Frauen-Affären. Die Story bestätigt meine These vom Geschäftsmodell grosser Verlage, Informationen zu verhindern, regelrecht einzufangen, statt für ihre Verbreitung zu arbeiten. Dann kommt es dennoch raus. Und vielleicht bestätigt sich die Volksweisheit, die einst die “Schimanski“-Autoren seinem Kollegen Thanner, gespielt vom zu früh verstorbenen und politischen Kopf Eberhard Feik, in den Mund gelegt hatten, und der in Zeiten von Weinstein, Wedel und #metoo neue Aktualität erhalten hat: “Du stolperst noch mal über deinen Schwanz….”

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