50 Prozent der Bevölkerung wird fĂŒr unerwĂŒnscht erklĂ€rt.

Der Runde Tisch gegen Kinder- und Familienarmut tagte gestern bei der Diakonie in Bonn. Nur zur Erinnerung: Rund 20 % aller Kinder in Bonn gelten als arm. Inklusive ihrer Familien.

Diesmal war das Thema der Wohnungsmarkt, also bezahlbare Wohnungen fĂŒr rund 50 % aller Bonnerinnen und Bonner. Denn diese haben Anspruch auf einen Wohnberechtigungsschein. “50 Prozent der Bevölkerung wird fĂŒr unerwĂŒnscht erklĂ€rt,” beklagte Gerhard Roden von der Bonner Caritas. Das sprengt unsere Gesellschaft und ist unertrĂ€glich, um es klar zu sagen. Denn ĂŒberall gibt es BĂŒrgerproteste gegen den Bau von öffentlich geförderten Wohnungen. So wurde die Akzeptanz fĂŒr den Bau bezahlbarer Wohnungen als großes Problem identifiziert. Das sah auch MdL Guido DĂ©us so, der Rede und Antwort zur Wohnungspolitik der NRW-Landesregierung stand. Er schlug z.B. eine regionale Wohnungsbauförderungsgesellschaft vor, in der die Stadt Bonn und der Rhein-Sieg-Kreis Sitz und Stimme haben sollen. Analog zur ehemaligen Strukturförderungsgesellschaft Bonn/Rhein-Sieg/Ahrweiler, die nach dem Umzugsbeschluss des Bundestages ihre Arbeit aufnahm und wenige Jahre spĂ€ter wegen personeller Dissonanzen aufgelöst wurde. Denn die Wohnungsprobleme der Region können nur in enger Zusammenarbeit zwischen Bonn und dem Rhein-Sieg-Kreis gelöst werde, zumal dann, wenn im linksrheinischen Rhein-Sieg-Kreis ein BĂŒrgermeister den Bau von öffentlich geförderten Wohnungen in seiner Stadt strikt verweigert, wie Ulrich Hamacher zu berichten wusste.

Nochmal zurĂŒck zur Akzeptanz. BĂŒrgerprotest regt sich auch, wenn der Naturschutz tangiert wird. Darauf machte Doro Schmitz aufmerksam. Denn die ungehemmte Versiegelung von FreiflĂ€chen ist problematisch und Baumaßnahmen, egal ob fĂŒr neue Wohnungen, neue Straßen, neue Schienenstrecken mĂŒssen selbstverstĂ€ndlich umweltvertrĂ€glich sein. Mit modernen und intelligenten Modellen der frĂŒhzeitigen und transparenten BĂŒrgerbeteiligung und Kompromissen zwischen Beton und Natur muss es m.E. möglich sein, die Akzeptanz wesentlich zu erhöhen. Es ist und bleibt eine komplexe Aufgabe der Daseinsvorsorge, bezahlbaren Wohnraum fĂŒr alle Menschen zu schaffen.