Sie meinen jetzt vielleicht, der ist aber was spät dran. Die OB-Wahl ist doch schon ein paar Tage her. Peter Feldmann kenne ich auch, als er noch in Marburg studiert hat. Er gehörte zu den “Stamokaps“, aber nicht im SHB, sondern in den Juso-Hochschulgruppen. Hat nicht das große Wort geführt, sich eher solidarisch eingereiht. Die Mädels mochten ihn: die Haare waren noch schwarz und lockig, und im Gesicht war ein Cat-Stevens-Bart. Aber den mein ich nicht.

Ich meine Frankfurt an der Oder. Das liegt noch näher an Polen als Berlin (aber nicht viel). In den 90ern, nach der Wende war ich mal dort, auf Einladung der Brandenburger Grünen. Die optischen und atmosphärischen Eindrücke in den Städten Eisenhüttenstadt, Cottbus, Frankfurt waren schon shocking. Am schönsten erschien es mir noch in Schwedt und im nahegelegenen landschaftlich heimeligen Oderbruch. Die weit später dort marodierenden Nazis und die AfD-Wahlergebnisse haben mich dann nicht mehr wirklich überrascht, sondern alle Vorurteile bestätigt.

Und dann das: in Frankfurt haben sie, nachdem Cottbus sich gerade eben weltweit berüchtigt gemacht hat, mit Rene Wilke einen gemeinsamen Kandidaten von Linken und Grünen zum Oberbürgermeister gewählt. Die AfD kam noch nicht mal in die Stichwahl. Wie haben die das gemacht?

Philipp Daum veröffentlichte dazu in der taz eine lesenswerte Reportage. Journalistisch betrachtet enthält sie vielleicht zu viel Zuckerguss. Ich mag lieber eine kühl bleibende Analyse. Die dahinter stehende Denke stimmt aber. Ich bin in der Ruhrgebietsgegend aufgewachsen, in der der von der SPD zur AfD konvertierte Guido Reil Stimmen abgesahnt hat (allerdings nicht ausreichend für ein Mandat). Vieles ist dort heute ähnlich wie in Frankfurt/O. – vom intellektuellen und wissenschaftlichen Basislager einer Hochschule bis zu derangierten, abgewrackten Stadtteilen. Mit vielen Menschen, die sich zu Recht verarscht und ignoriert fühlen.

Dass das kein Recht auf Rassismus und Menschenhass begründet, versteht sich. Antifaschismus dagegen ist notwendig. Er hat aber auch die Verpflichtung erfolgreich zu sein, und sich nicht seine Niederlagen selbst zu bereiten. Demokratie und Menschenrechte müssen bleiben – sie sind kein Instrument zur Entlarvung des Kapitalismus. Kein Mittel, sondern Zweck. Vor gut zehn Jahren diskutierte ich das bei einem Kongress von Linksintellektuellen am Taksim-Platz in Istanbul. Die hatten damals schon mit Erdogan zu tun, und hatten – trotz Sprachbarriere – sofort verstanden.