Der Nahostkonflikt rückt uns immer näher

Von , am Sonntag, 13. Mai 2018, in Fußball, Politik.

Ein schlecht versteckter Sirenenalarm aus der internationalen Fussballwelt

Die Printausgabe der SZ hat gestern weit hinten im Sportteil eine Recherche des geschätzten Kollegen Thomas Kistner versteckt, die in den vorderen geopolitischen Teil gehört hätte. Aber bei der gegenwärtigen Leitung der atlantisch vernagelten SZ-Auslandsredaktion ist wohl jede Hoffnung vergeblich.
Kistner selbst betrachtet den von ihm berichteten Vorgang weniger geo- als sportpolitisch. Hier stehen sich die grossen Fussballclubs Europas und die Fifa gegenüber, im Kampf um die unermesslichen Kapitalströme, die ins Fussballentertainment fliessen. Neben den WMs und der europäischen Champions League werden beständig zusätzliche Wettbewerbe erfunden, in denen die vor Geld kaum Laufen könnenden Investoren aus den Feudaldiktaturen Arabiens und aus dem explodierenden chinesischen Kapitalismus ihr Kapital steueroptimiert verstecken und waschen sollen. Wenn wir Kistners Darstellung folgen, werden die Fussballorganisationen zu willigen Puppen dieser Investoren in einem recht billigen Kasperletheater.
Neben der Frontbildung der Kasperlepuppen gibt es aber auch eine geopolitische Frontbildung. Kistner weist selbst darauf hin, dass aus Saudi-Arabien ein Pay-TV-Programm unterstützt und betrieben wird, das sich in Piratenart an von Katar teuer erworbenen TV-Rechten bereichert.
Als Freund von freiem TV-Fussball könnte ich das sympathisch finden. Wenn es nicht Saudi-Arabien wäre. Beide Feudaldikaturen stehen in elementaren Konflikt miteinander und könnten die Fussballwelt politisch zerreissen. Katar nämlich hat sich nicht dem Bündnis aus Trump, Netanyahu und Saudiarabien angeschlossen, sondern pflegt eine partnerschaftliche Aussenpolitik mit dem Iran, teilt sich sogar mit ihm friedlich und zu beiderseitigem Nutzen das grösste aktuell erschlossene Gasfeld der Welt im Golf. In Syrien und dem Jemen stehen beide Seiten bereits in heissem und massenmörderischen Krieg miteinander, zur Freude auch deutscher Rüstungsindustrien.
Katar hat sich die WM 2022 gekauft. Saudiarabien will nun mit Fifa-Boss Infantinos Hilfe gleich die komplette Fifa für 12 Jahre kaufen. Die Fifa ist hungrig, weil sie von der US-Justiz schon seit Präsident Obama weltweit wegen Korruptionsverbrechen gejagt wird. Sich davor gegen diesen mächtigen Gegner zu schützen, ist sehr, sehr teuer. Da könnte der saudische Kronprinz als Geschäftspartner und Beschützer gerade richtig kommen.

Regeln? Machen Donald und Mohammed selbst

Der wiederum zeigt mit seinem Piraten-Eingriff ins weltweite Fussball-TV-Geschäft, dass in eins überhaupt nicht interessiert: international vereinbarte Regeln. Für Mohammed Bin Salman gibt es keine Regeln, ausser seinen eigenen. Zumindest in diesem Punkt ist er sich mit dem “mächtigsten Mann der Welt” in den USA absolut einig.
Wenn das Atomabkommen mit dem Iran stirbt, wird der atomare Rüstungswettlauf weitergehen. Irans Scharfmacher sehen gewiss den Nordkoreaner Kim Yong Un als leuchtendes Vorbild. Israel hat bereits Atomwaffen. Saudi-Arabien wird sie sich als nächstes Land aneignen. Pakistan, Sponsor der Taliban in Afghanistan, und Indien haben sie ebenfalls schon. Lang wird es nicht mehr dauern, dass auch marodierende Milizen in der zunehmenden Zahl von zerfallenden Staaten sich über solche Waffen Gewalt verschaffen.
Wenn diese Entwicklung nicht angehalten und umgekehrt wird – das wäre die Aufgabe heutiger europäischer Regierungskunst, oder sollen wir China, s. Nordkorea, wieder um Hilfe bitten? – dann können wir schon ausrechnen, wie viele Jahre wir alle wohl noch haben.

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