Mob und Elite

Von , am Montag, 10. September 2018, in Medien, Politik.

Der Trick mit den Umfragen und Wahlergebnissen
Wenn die CSU bei der Landtagswahl über 38% schafft, das wäre ein Verlust von knapp 10%, wird sie sich zur Wahlsiegerin erklären – weil sie ja Erster bleibt, mit ca. “20% Vorsprung”, und es nicht so schlimm gekommen ist, wie vorhergesagt.
So wie jetzt Schweden, ist doch nicht so schlecht gekommen. Statt “bis zu 25%”, wie vorhergesagt, sind die rechtsradikalen Schweden unter 20% geblieben. Und die Sozialdemokraten sind Erster geblieben, mit 28%. Da träumen deutsche Sozis von, die früher in ganz Europa ihre Bruder- und Schwesterparteien belehrt (und finanziert) haben. 2/3 der sozialdemokratischen Verluste sind – rechnerisch – an die dortige Linkspartei gegangen, deren kommunistische Vorläufer*innen schon eurokommunistisch orientiert waren, als es das Wort in Mitteleuropa noch gar nicht gab (Marianne Lienau, ein Journalismus-Idol meiner Jugend, sagte im Kritischen Tagebuch/WDR3: “Lesen Sie die Krimis von Sjöwall/Wahlöö.” (habe ich dann auch getan, alle 10).

Schliessen Mob und Elite ein Bündnis? – Oder Demokrat*inn*en?

Jetzt alles nur halb so schlimm? Keineswegs. In Schweden stellt sich jetzt parlamentarisch die Frage, über die in CSU und CDU bereits die Auseinandersetzung tobt: sollen sich die Rechten mit den Rechtsradikalen zusammentun? Oder mit den anderen Demokrat*inn*en? Eine Frage von historischer Ewigkeit. Sie ist nie entschieden, sondern immer in einem umkämpften Prozess, der jetzt besonders heissläuft.
Michael Haller, der über Vermittlung der Otto-Brenner-Stiftung schon Extradienst-Gastautor war, kommentiert im Tagesspiegel-Interview das Medienverhalten zu den Strassen- und Politik-Schlachten.
Apokalyptiker Tomasz Konicz/telepolis benennt in seinem neuesten Text zutreffend die Frage, ob sich in Deutschland Mob und Elite wieder verbünden wollen. Und – untypisch für ihn – hat er am Schluss den einzig richtigen politischen Vorschlag. Dass er hierzulande aktuell so unrealistisch wirkt, ist nicht Konicz’ Verantwortung, sondern unsere.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.