Es ist Mittagszeit und Bayern wählt gerade. Die Umfragen haben die Öffentlichkeit oder zumindest den Teil, der sich nicht in Internet-Selbstbespiegelungsblasen bewegt und jene, die Nachrichten hören oder gar Zeitung lesen, aufgeerüttelt. 33 Prozent CSU, 18% Grüne, nur 10 % AfD – was für wilde und revolutionäre Spekulationen macht das möglich, an denen wir uns hier ja auch beteiligt haben. Was aber, wenn am Ende was ganz anderes herauskommt? Immerhin hatte sich die Hälfte aller Befragten bisher überhaupt noch nicht entschieden. Wie groß ist überhaupt noch die Zahl derer, die eben von solchen Umfragen erfahren? Welche Reaktionen provozieren diese Umfragen möglicherweise?

Eines ist jedenfalls sicher: Wahlumfragen sind Momentaufnahmen aus der Vergangenheit. Vor ein, zwei Wochen – sie schauen nach rückwärts und versuchen mit statistischen Mitteln aus der Vergangenheit über die Zukunft Schlüsse zu ziehen. Aber wie wahrscheinlich ist es wirklich, dass heute den Tag über die Menschen so entscheiden werden, wie es erfragt wurde und Algorithmen es versucht haben, in die Zukunft zu extrapolieren? Klar, in Zeiten von Google und Facebook machen sich viele von uns bei diesen Werbeunternehmen so berechen- und durchschaubar, dass diese Milliarden mit der Nutzung dieser Persönlichkeitsprofile verdienen. Aber Wahlen sind glücklicherweise noch nicht derart ausrechenbar – auch wenn das viele glauben. Allein in den letzten veröffentlichen Umfragen stecken  + – 1-3% pro Partei natürlicher Fehler bzw. Unschärfe. Ob die Grünen 18% und die AfD 17% haben, ist in Wirklichkeit eine gegriffene und aus dem Trend herbei spekulierte Größe. Ob Linke und FDP in Bayern die 5% Hürde schaffen, ist völlig offen. Und wenn Söder dann doch wegen der erschrockenen Omas bei 45% landet, wäre es kein Wunder, sondern Wahlverhalten – auch aufgrund von Umfragen. Lassen wir uns also überraschen. Menschen sind eben nicht ausrechenbar. Glücklicherweise.