Was der Massenmord im Jemen nicht vermochte, der verhinderte noch nicht einmal Rüstungsexporte mit Milliardenvolumen an die Täter, das könnte jetzt ein einzelnes Todesopfer bewirken: dass alle Hebel in Bewegung gesetzt werden, das Regime, nicht zu verwechseln mit dem feudalistischen System, Saudi-Arabiens zu wechseln. Das vermutliche Mordopfer Kashoggi wäre dann nicht “umsonst” gestorben, denn genau das war zuletzt sein politisches Ziel.
Bastian Hermisson von der Heinrich-Böll-Stiftung beschrieb heute im DLF die Auseinandersetzungen in den USA. Die Affäre wird zwar die Mehrheit der US-Wähler*innen kaum interessieren, den Hauptstadtzirkus in Washington und die herrschende Klasse beschäftigt sie sehr, gibt sie doch Chance und Gelegenheit Kräfteverhältnisse zu verschieben. Das wird auch in Karim El-Gawharys taz-Bericht deutlich, und am fundiertesten wie fast immer bei der unübertrefflichen Frauke Steffens/FAZ.
Die Saud-Herrscherfamilie ist sehr, sehr gross, und die Konkurrenzen ihrer Prinzen ebenso unübersichtlich. Nun versuchen sie, den cholerischen Kronprinzen loszuwerden, dem sie mglw. eine Falle gestellt haben, in die er blindwütig hineintrat. Was dann folgt, wer weiss das schon? Es kann in ein stabileres System führen, oder in einen Failed State, beides brandgefährlich.