Nicht beim Sterben zusehen

Von , am Donnerstag, 1. November 2018, in Medien.

Mit Update.
Nein, es geht hier nicht um die Volksparteien. Sondern um ihre Brüder und Schwestern bei den Medien. Die Grossverlage Gruner&Jahr (Stern, 25% Spiegel), Burda (Focus) und Holtzbrinck (Die Zeit) wollen nicht mehr, dass wir wöchentlich, sondern nur noch quartalsweise, über das Abschmilzen ihrer verkauften Auflage informiert werden. Widersprüche in der herrschenden Klasse: die Mediaagenturen, die die Produktwerbung verplanen und platzieren, finden das wenig amüsant, und überlegen angeblich, dann in den entsprechenden Medien überhaupt nicht mehr zu werben.
Zum Vergleich: so ähnlich wäre es, wenn die sterbenden Volksparteien jetzt die regelmässige Veröffentlichung von “Sonntagsfragen” untersagen lassen würden. Würden sie gerne, aber die Kraft dazu, sich das zu trauen, fehlt ihnen schon längst. Stattdessen lassen sie sich von fakeartigen Umfrageergebnissen am Nasenring durch die öffentliche Arena ziehen. Update nachmittags: warum die verkaufte Auflage des Spiegel so abwärts geht, erfahren Sie hier in der DLF-Kolumne von Matthias Dell. Alles sehr, sehr jämmerlich.
Wie anders Facebook: Quartalsumsatz 13,7 Mrd. $, Gewinn 1,34 Mrd. $ – hochgerechnet aufs Jahr liefe das auf über 50 Mrd. Umsatz und über 5 Mrd. Jahresgewinn hinaus. Da kann ein deutscher Verlegermilliardär (oder seine Witwe) schon neidisch werden. Aber wie ist es bei Ihnen als Facebooknutzer*in? Wieviel Zeit verbringen Sie damit, Facebook kostenlos mit Inhalt (“Content is” angeblich “the king”) zu ernähren? Wie ist der Dollar-Wechselkurs für die unübersehbaren Datenmengen, die Sie diesem teilweise kriminellen Datendealer überlassen? Oder gehören ausgerechnet Sie zu der einen Million Europäer*innen, die nicht mehr kostenlos für Facebook und seine Investoren digitale Sklavenarbeit verrichten?

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