Der im Vorjahr verstorbene Heiner Geißler hat tiefe Spuren in unserer Republik hinterlassen. Er war ein Prototyp, der bis heute von vielen, zum Glück meistens unvollkommen, kopiert wird. Willy Brandt war einer, der das früher als andere erkannt hat. Bis heute bin ich nicht sicher, ich habe Geißler nie persönlich kennen gelernt, ob er in seinem langen wandlungsfähigen Leben zu Selbstkritik bereit und in der Lage war. Immerhin endete er als zunächst führender Diffamierer der Friedensbewegung nicht nur als Dialog-Moderator von Stuttgart 21, sondern auch als Mitglied bei Attac.
Geißler war auch der Schöpfer der “Kostenexplosion” im Gesundheitswesen. Das lernen wir von dem Chirurgen Bernd Hontschik in der letzten Wochenendausgabe der taz. Aufschlussreich. Es erinnert mich an die Arbeiten des Statistikwissenschaftlers Gerd Bosbach zur Rentenpolitik und Demografie.
Als wollte sie Hontschik mit empirischem Material anfüttern, meldet die FAZ in ihrem Finanzteil den Beginn der Investoren-Invasion im Zahnarztwesen – bei Krankenhäusern und in der Altenpflege ist das ja schon länger bekannt.
Wo es um Alte und Kranke geht, geht es um die Kernzielgruppe der deutschen Konservativen. Kümmern die sich drum? Diesen Eindruck machen sie nicht. Der “Sex des Alters”, heisst es nicht ganz zu unrecht, ist gutes Essen (und Trinken), definitiv zentraler Faktor für Lebensqualität und -freude. Darum kümmern sich heute überwiegend “Ökos”. Hier spricht die taz mit einem Sternekoch, der ins Kantinenfach wechselte; und die SZ stellt Neuentwicklungen fürs Kochen in Pflegeheimen vor.
Wenn wir uns dieses Szenario und seine gesellschaftlichen Konsequenzen vergegenwärtigen, ist die Erkenntnis des klugen Mark Siemons/FAS, nicht mehr so absurd, wie sie beim ersten Eindruck erscheinen mag: die Grünen sind nicht mehr “die bessere FDP”, sondern im Begriff “die bessere CDU” zu werden.