Im Schatten von Midterm-Elections und Champions League ereignete sich vor 984 Zuschauer*inne*n im Stadion Rote Erde in Dortmund ein fussballerisches Massaker. Die Profis Shinji Kagawa, ein Superstar aus der Jürgen-Klopp-Periode und Vermarktungsfaktor für den ostasiatischen Markt, sowie Alexander Isak erschossen den Traditionsverein und einstigen Erstligisten Rot-Weiss-Essen gestern Abend 5:0.
Ich wusste ja immer, aber in Essen hörte ja keiner auf mich, dass der Neubau eines Stadions keinen besseren Fußball herbeiführt. Stattdessen hat er einen SPD-Oberbürgermeister seinen Job gekostet. Zum alten Stadion hier eine angemessene Würdigung von Andreas Rossmann.
Der Vorgang beleuchtet die unbekannte sadistische Seite von Lucien Favre. Nein, RW Essen wird ihm egal sein. Aber für Kagawa und Isak muss das Antreten in einem solchen Spiel der U23 die karrierestrategische Höchststrafe sein: vor 1% der Zuschauerzahl, die im benachbarten Westfalenstadion üblich ist. Kagawa muss sich eines Kapitalverbrechens schuldig gemacht haben, so degradiert zu werden; Isak ebenso, er könnte jetzt da sein, wo Jadon Sancho ist.
Und ich frage mich, wie es wohl einem RWE-Fan im Himmel geht. Mein Grossvater/Oppa mütterlicherseits (verstorben 1974), der an meiner Fußballmacke schuld ist. Gibt es im Himmel das Leid echter Fußballfans? RWE ist jetzt in der Vierten Liga, in der auch der Bonner SC (14.) um den Klassenverbleib kämpft, Siebter mit 13 Punkten Rückstand auf Spitzenreiter Viktoria Köln: ein weiteres Jahr unaufsteigbar. Die BVB-U23 hat trotz des 5:0 auch schon 7 Punkte Rückstand – 3 hatten sie allein beim letzten Heimspiel gegen meine Borussia gelassen 😉

Über Martin Böttger:

Martin Böttger ist seit 2014 Herausgeber des Beueler-Extradienst. Sein Lebenslauf findet sich hier...
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