Vielleicht haben Sie ihn ja gesehen. Es sollen weit über 6 Mio. gewesen sein, bleiben über 75 Mio., die ihn nicht gesehen haben. Die Reihe heisst “Nachtschicht” läuft im ZDF, und beherrscht einen einfachen Trick: jedes Jahr nur ein Film, vom gleichen Regisseur (= Erfinder) Lars Becker. Das ZDF quetscht das Format offenbar nicht aus, wie die ARD ihre Tatort-Zitrone oder ihr letztes selbstproduziertes Erfolgsformat “Mord mit Aussicht”. Das musste beendet werden, weil der Produktionsstress innere Konfliktdynamiken lostrat, die eine Weiterarbeit nicht mehr möglich machten – schade. Seitdem quetschen die ARD-Sender die Zitrone mit Wiederholungen in ihren Dritten immer weiter aus, und es ist sensationell, wie viele Tropfen immer noch rauskommen. Das ZDF dagegen lässt den Nachtschicht-Macher*inne*n viel mehr Zeit für Stoffentwicklung und handwerkliche Qualität. Wer würde nicht gerne so arbeiten können? Schauspieler*innen finden den Job so geil, das manche sogar (fast) ohne Gage mitspielen würden. Es ist ihnen jedenfalls ein für die Zuschauer*innen sichtbares Vergnügen. Gestern war die Lebensgefährtin des Bundesaussenministers dabei.
Wenige von Ihnen haben vielleicht gestern “Toni Erdmann” auf Arte bevorzugt; der ist ja auch nur eine Woche in der Mediathek. Sie sollten das Anschauen von “Nachtschicht” nachholen, drei Monate in der Mediathek. Und wenn Sie das alles ernstnehmen – selber schuld. Beckers Nachtschicht kann sogar Humor.