Bezahlbare Wohnungen sind der Schlüssel für den Zusammenhalt unserer Gesellschaft. Das haben viele Politiker*innen noch nicht kapiert. Denn es ist klar: Wer keine bezahlbare Wohnung findet, wendet sich mit Wut und Frust in hohem Maße der AfD zu. Das sollten sich alle Verantwortlichen vergegenwärtigen.

In der regionalen Wohnungspolitik stößt man allerdings auf eine große Unwissenheit. Öffentlich geförderte Wohnungen werden oftmals gleichgesetzt mit armen und prekären Menschen. Nicht ohne Grund bilden sich vielerorts Bürgerinitiativen, die gegen den Bau von neuen Wohnungen protestieren. Mit einem transparenten Dialog und einer dringend notwendigen Kooperation der Gebietskörperschaften kann es allerdings gelingen, die Akzeptanz für Wohnungsneubauten zu erhöhen. Zumal der Aus- und Neubau von öffentlicher Infrastruktur (Schulen, Kindergärten, Einzelhandel, ÖPNV) parallel geplant werden muss.

Ein weiterer Problempunkt ist die Personalausstattung der Planungs- und Bauordnungsämter in den Kommunen. Dort herrscht zum Teil akuter Personalmangel, wie das aktuelle Beispiel aus dem Bonner Stadtbezirk Hardtberg zeigt. Dort liegen diverse Verkehrsplanungen brach, weil der Stadtverwaltung qualifiziertes Personal fehlt. Die Personalkosten sollten in den Kontext des Mehrwerts gestellt werden. Die fehlende Handlungsfähigkeit des öffentlichen Dienstes verursacht volkswirtschaftlich hohe Schäden. Vom Frust über die Stadtverwaltung und die Politik ganz zu schweigen.

Hohe Mieten schöpfen in hohem Maße Einkommen ab, verfestigen die Armut und entziehen dem Einzelhandel die Kaufkraft. Diese komplexe Gemengelage macht deren Lösung umso dringlicher. Daran müssen alle
Gebietskörperschaften, das Land NRW und der Bund gemeinsam arbeiten. Denn der Bevölkerungszuwachs, die ungebremste Zunahme prekärer Beschäftigung sowie Kinder-, Familien- und Altersarmut sind die Folgen
der Wohnungsnot, die vor allem in den Großstädten und in Ballungsräumen zur gesellschaftspolitischen Krise wird.