Es gibt noch Künstler, die uns was zu sagen haben. Das Handy, das Ulrich Tukur im Tagesspiegel-Interview erwähnt, so eins hatte ich bis vor ein paar Wochen auch. Ich gehöre nicht zu seinen flammenden Verehrer*inne*n, wohl aber zu denen der einschaltquotenschwachen Tatorte, in denen er mitspielt. Sein Interview, naja, ist mir nicht ganz geheuer, weil es etwas zu stramm mit konservativer Zurückgebliebenheit kokettiert, ich andererseits mein Denken an mehreren Stellen wiedererkenne.
Fritz Eckenga – muss ich zu dem noch was schreiben? Im Gegensatz zu mir im Ruhrgebiet geblieben, wie ich keine Lust gehabt, eine Erwerbsarbeit bei Kohle und Stahl anzutreten. Im Gegensatz zu mir kann er vom Schreiben und Dichten gut leben, so gut, dass er eine BVB-Dauerkarte hat. Er ist auch lustiger als ich, jedenfalls auf der Bühne, und hat es sich redlich verdient. Zu Claudia Roth haben wir gegensätzliche Ansichten – ansonsten weiss ich keine, gegensätzliche meinich … Als Ruhrgebietsintellektuelle müssen wir uns wenigstens empathisch in die Rolle der Malocher*innen hineinversetzen, was Eckenga in diesem Falle mit dem Eichhörnchen an Weihnachten tut.
In der gleichen Jungen Welt erzählt Vincent Klink eine Geschichte von Oma Theres. Vincent ist in erster Linie Kochkünstler, und immer eine Reise wert. An dieser kleinen Geschichte erkennen wir, wie gut er schreiben kann. Ausserdem kann er Musik, und ist mit diesem Talent mehrmals mit seinem Stammgast Wiglaf Droste auf Tournee gegangen (Wiglafs Texte hat die Junge Welt online leider vermauert). Vincent ist ausserdem einer der liebenswürdigsten und gleichzeitig politisch kämpferischsten und scharfsinnigsten Seher, die mir in meinem Leben begegnet sind.

Über den/die Autor*in: Martin Böttger

Martin Böttger ist seit 2014 Herausgeber des Beueler-Extradienst. Sein Lebenslauf findet sich hier...
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