Fand Belgien ein Mittel dagegen?
Belgien ist bei uns allenfalls für die besten Pralinen der Welt, seine Bierbraukunst und den Zwischenhandel und Import leistungsstarker Fussballer bekannt. Die gebildeten Stände erinnern sich allenfalls noch daran, dass die einstige Kolonialmacht an den grössten Völkermorden der Geschichte (Kongo) beteiligt war. Allgemein ist Belgien hierzulande bekannt dafür, dass es keine Regierungskoalitionen hinbekommt, bzw. sehr lange dafür braucht – in der Hinsicht holen wir in Deutschland gerade auf – weil sich dort “Flamen” und “Wallonen” angeblich auf nichts einigen können. Deutsche Medien setzen bei gesellschaftlichen Konflikten im Ausland immer gerne die tribalistische (um das böse Wort rassistisch zu vermeiden) Brille auf; dann erklärt sich alles einfacher. Ausserdem wird in Belgien “dauernd” gestreikt – wie überall ausserhalb Deutschlands.
Sollen dort also gute Ideen entstehen? Neben seinen zerstörten Ex-Industrie-, seiner touristischen strassenbahnbefahrenen Küsten-, sowie seinen Bauerndeppen-Regionen hat Belgien Brüssel, eine Global City von den Ausmassen Kölns. Viel mehr noch als in Köln kommt dort soziokulturell die ganze Welt zusammen. Das hat nur am Rande auch mit den EU-Institutionen zu tun. Und diese Tatsache zwingt zur Kenntnisnahme von Problemen und Aufgaben, deren Wahrnehmung sich nicht verweigern lässt.
Ein kleines dieser vielen Probleme ist die Schwarzarbeit und hemmungslose Ausbeutung von Haushaltshilfen, in Deutschland nach den Fussball der zweitgrösste Volkssport. Mit grösseren Wachstumsraten als der Fussball, weil die Jungen weniger und die Alten mehr werden. Hierzulande wurde versucht, das Problem im Rahmen der HartzIV-Deklassierung mit Minijobs unter Kontrolle zu bekommen. Das ist, wie das meiste von HartzIV, fulminant gescheitert. Ausgerechnet in Belgien scheinen sie eine bessere Lösung, oder zumindest einen besseren Weg gefunden zu haben. Respekt! Diese Methode schafft sogar neue Arbeitsplätze; in meinem Haushalt würde sofort einer (ein Teil davon) entstehen.