Thunberg bei Will

Von , am Montag, 1. April 2019, in Medien, Politik.

Eine kleine Wirkungsstudie beim Zappen mit einem Habeck-Vergleich
Ich mag mich täuschen und es ist vielleicht eine Projektion meinerseits: zeigte die bekennende Lesbe Anne Will beim Interview mit Weltstar Greta Thunberg Muttergefühle? Das ist ja nichts ehrenrühriges. Die gestellten Fragen waren richtig gesetzt, wie es sich für eine handwerklich seriöse Journalistin gehört. Und das “Kindchenschema”, das das Aussehen dieser immerhin schon 16-jährigen jungen Frau auslöst, erscheint auch mir unbesiegbar. Es ist eine starke Waffe. Thunberg wirkt so schlau und klug, sie weiss damit umzugehen.
Erst letzte Woche lästerte der linke Hausmeister in meiner Wohnanlage, Thunberg sei “für Atomkraft”. Reingefallen! Thunberg weiss die Argumente von Atomkraft-Fans fehlerfrei zu referieren, wie es sich für eine Einser-Schülerin gehört. Dass es Medien gibt, die das als Befürwortung nehmen, zeigt nur, dass sie ihre Versetzung ins nächste Jahr gefährden – und so ist ja auch ihre materielle Lage.
Beeindruckend klug und klar zeigt sich Thunberg um den Medien-Hype um ihre Person. Er wird vorübergehen. Das ist sicher. Das Leben und der Kampf für eine gerechtere Klimapolitik wird unabhängig davon weitergehen, das ist ebenso sicher.
Der Rührung, die während des Interviews bei Anne Will zu sehen ist, kann ich mich als Zuschauer ebenfalls nicht entziehen. Frau Thunberg macht damit viele Augen nass, und so manche*r Politiker*in beneidet sie zähneknirschend um diese Fähigkeit. Auch mit analytischem Blick bleibt faszinierend, wie Thunberg ihre Krankheit einzusetzen weiss (oder ohne Absicht wirkt) – wer die schwedische Krimiserie “Bron/Die Brücke” gesehen hat, weiss schon ein wenig darüber. Dort machte das herterosexuelle Frauen neidisch und Männer heiss.
Therese Kah, Robert Habeck und Harald Lesch brauchten Thunbergs Massvorlagen nur noch verwandeln, die Herren Kubicki und Haseloff konnten einem leid tun. Leschs Vorschlag, sich einfach mal eine Stunde täglich nicht zu bewegen, führe ich seit längerem aus – sehr empfehlenswert!
Jetzt fehlt “nur” noch die Politik, die daraus Konsequenzen zieht.

Exkurs Habeck

Bei “Will” hatte Habeck leichtes Spiel. Er ist ein 110-prozentiger Showprofi geworden, über den Friedrich Küppersbusch heute lästert: “Es recht zu machen jedermann – ist eine Kunst, die Robert kann. Für die Lustfantasie vom Kanzler Habeck braucht man Ungenauigkeit, klare Kante dagegen kostet Punkte. Also wird das Grundsatzprogramm kuschlig werden, siehe Workshop 11: ‘Wo geht’s denn hier zum zufriedenen Leben in Vielfalt?’.”
Wie hochprofessionell Habeck öffentliche Auftritte angeht, war vor einigen Monaten bei Ina Müller zu studieren. Ina ist zurecht von ihren Gästen gefürchtet. Sie wickelt sie zunächst mit überbordender Zuneigung ein, um später bei alkoholischen Getränken, nachdem sich alle ordentlich warmgeblödelt haben, mit einer oder mehreren persönlichen Fragen um die Ecke zu kommen, die andere sich nie trauen würden zu stellen. Das ist die zugespitzte Prüfungssituation für den Gast – plötzlich ist es ein Duell. Das fast immer Ina gewinnt. Das haben Habeck und seine Mitarbeiter*innen genau studiert und glänzend vorbereitet. Habeck ging schon beim Reinkommen in die Offensive, hatte Spitzen für Müllers Schwachstellen dabei. Und seine Ehefrau Andrea Paluch als Leibwache im Publikum – eine klassisch schöne Norddeutsche, nur weniger aufgedreht und -donnert als Frau Müller. Dass Habeck und sie sich in Freiburg gefunden haben, wurde vielleicht durch die Exilsituation im Süddeutschen begünstigt? Entscheidender: beider Alltagsleben, zuvor scheinbar symbiotisch, wurde durch seinen Weg in die Berliner Blase radikal verändert.

Wohin das alles führt? Zu Habeck s. Küppersbusch; zu Thunberg s. Gaus.

Ein Kommentar zu “Thunberg bei Will

  1. Roland Appel

    Ich stimme Dir zu. Was mich gestern dagegen nicht verwundert hat, war die Uneinsichtigkeit der Politik, wie Kubicki und Haselhoff immer wieder versuchten, “jetzt stelle mer uns mal völlig dumm” da müssen die Experten forschen und dabei wiederholt vor Fake-News (Greta habe Atomkraft empfohlen, das wird ständig behauptet) und gelogenen Diffamierungen (Grüne hätten persönich die schlechteste Klimabilanz) nicht zurückschrecken. Das alles ist ein übles Zeitspiel, bei dem etablierte Politik versucht, das schlimme Ende immer weiter herauszuzögern, das dadurch immer schlimmer wird – das versuchen die Kinder mit ihren Demos, abzupfeifen. Was die nicht bedenken ist, wenn jetzt die Demos nichts erreichen, werden diese Kids sauer und dann ist Hambach überall.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.