Das Brücken-Desaster

Von , am Dienstag, 9. April 2019, in Beuel & Umland, Politik.

Nein es soll hier mal nicht um das lokaltypische Bonner Selbstmitleid gehen. Nicht alles in dieser Stadt läuft schlecht. Allgemein war vorhergesagt worden, dass mit der Sanierung und langjährigen Teilsperrung der Kennedybrücke das Wirtschafts- und Alltagsleben in dieser Stadt zusammenbrechen werde. Von 2007-2011 dauerten die Bauarbeiten. Und nichts brach zusammen, im Gegenteil. Der reduzierte Autoverkehr verbesserte Luft- und Lebensqualität. Die Baukosten waren 10 Mio. höher als geplant, statt rund 40 auf rund 50 Mio. Welches Bauprojekt kann heute mit dieser Kostensteigerung von 20% glänzen? Die verbreiterten Fuss- und Radwege werden allzu gut angenommen. Der Platz wird in Kürze nicht mehr ausreichen. Die Autos werden eines Tages wieder “bluten” müssen. Zu gegebener Zeit sollten wir die Brücke in Karl-Uckermann-Brücke umbenennen.

Viktoriabrücke, Tausendfüssler

Die Viktoriabrücke, ja die ist ein weiteres Ärgernis für Fussgänger*innen und Radfahrer*innen. Ich meide sie. Bonn westlich der Bahn besuche ich kaum noch, falsche Seite halt. Eine neue Dramatik droht mit dem “Tausendfüssler”. Nächstes Jahr soll es losgehen mit Abriss und Neubau. Einerseits bin ich gespannt, wie die Autofahrer*innen reagieren werden; falls sie über die Kennedybrücke nachdenken, wird das nur von kurzer Dauer sein. Dramatischer wird es für die Anwohner*innen, die sowieso schon unter hoher Schmutz- und Lärmbelastung leiden. Ob wenigstens dort die Mieten sinken werden? Abriss und Neubau der Nordbrücke steht ebenfalls an. Der Landesverkehrsminister von der CDU fürchtet ihn so sehr, dass er ihn auf eine Zeit verschieben will, in der er garantiert nicht mehr im Amt ist.
Es gibt nämlich Schlimmeres.

Hamburg, Norddeutschland

Gestern meldete der NDR, in Hamburg sei die Bahnbrücke über die Süderelbe hinüber. Schleswig-Holstein ist im Bahnverkehr sowieso schon dem Zusammenbruch nah, quasi schon aus der Infrastruktur des Industrielandes Deutschland ausgemeindet. Der NDR betont in seiner Meldung die Bedeutung für Hamburger Pendler*innen und den S-Bahnverkehr. Entscheidend von Deutschland südlich der Elbe aus gesehen ist dagegen, dass die einstige Weltstadt Hamburg damit nicht mehr zugänglich ist, vom bundesweiten Bahnnetz quasi abgeklemmt wird. Zu allem Überfluss. Denn das Baudenkmal Köhlbrandbrücke, das markant den Hafen überspannt, soll nach dem Willen des Hamburger Senats – was kostet die Welt? – ja auch abgerissen und neu gebaut werden. Damit noch grössere Containerfrachter durch den Hafen passen. Oft gelingen Kabarettisten – in diesem Fall dem Hamburger Semsrott ab Minute 20 – die schärfsten Analysen.
Bonn, Hamburg, das ist das Normale. Fahren Sie mal mit der Bahn ins Sauerland, in seine Metropole Winterberg (der Begriff “Sauerland-Express” wurde nicht vom Kabarett erfunden, sondern von der DB). Die Strecke bietet sich als Challenge an: wer ist schneller, Bahn oder Fahrrad? Im Bergland! Die Bahn muss auf jeder Brücke Schrittfahren, also wie ein Fussgänger!

Leverkusen – die chemische Megakatastrophe der nahen Zukunft

Den Gipfel markiert aber das schöne Leverkusen, mit seiner Massenvernichtungswaffe Bayer-Konzern. “German Silly Money” hat sich Monsanto andrehen lassen. Das bezahlen jetzt – zunächst – 4.500 Beschäftigte mit ihrem Job. Auf dem Weg zu einem Champions-League-Spiel in Mönchengladbach habe ich vor Kurzem noch den Stau auf dem südlichen Kölner Ring besichtigt. Alle LKWs müssen da lang, weil die Leverkusener Brücke für sie gesperrt ist. Es sah aus, wie ein einziger, langer, langer Trucker-Parkplatz. Ich glaube, in China lachen sie die EU für diese Art Verkehrspolitik aus.
Ich kann nur allen Rheinländer*innen raten: halten sie sich fern von Leverkusen! Und siedeln sie nach Möglichkeit nicht rheinabwärts davon. Denn jetzt bauen sie – “sie” ist StrassenNRW, eine untergeordnete Behörde der NRW-Landesregierung – die Brücke neu, und machen dabei alle Fehler, die theoretisch gemacht werden können. Warnung: wenn Sie dieses DLF-Kultur-Feature von Gerhard Schröder lesen oder hören, könnte Ihnen schlechtwerden. Ein klassischer Fall für fridaysforfuture – denn wir Älteren haben die Hoffnung, dass wir noch rechtzeitig vor der Katastrophe totgehen.
Sehen Sie, liebe Bonner*innen, so gut haben wir es – im Vergleich dazu ist das Baugeschehen in unserer Stadt doch regelrecht kostengünstig, seriös und solide, und die Probleme puppenstubenklein.

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