Akalin/GA – gut gebrüllt, zu kurz gesprungen

Von , am Freitag, 12. April 2019, in Beuel & Umland, Politik.

Ich weiss, dass Dylan Cem Akalin, General-Anzeiger-Redakteur und langjähriger Betriebsrat, in jungen Jahren für die Beuel-Berichterstattung zuständig, ein anständiger und sympathischer Kerl ist. Mit neugieriger Zustimmung las ich seinen Kommentar zu den Bonner ÖPNV-Tarifen. Gestern erst musste ich wieder nach Porz und hatte bei meinem Busfahrer wieder grosses Glück: 4 €. Leider ging es bei meinem Doc so schnell, dass ich zur Rückfahrt den gleichen Fahrer erwischte. Und dem war eingefallen, dass er die Tarifvorschriften nicht richtig beachtet hatte: nun kostete die gleiche Strecke zurück 8,20€!
Selbstverständlich sind solche Tarife eine Zumutung.
Sie werden aber nicht in Bonn und schon gar nicht von den Stadtwerken/SWB gemacht. Sondern im komplizierten Räderwerk des Verkehrsverbundes Rhein-Sieg. Und die dort versammelten ÖPNV-Betriebe haben in der Tat alle das gleiche Problem: ÖPNV ist Defizit-Geschäft, subventionierte Daseinsvorsorge. Und nur Stadtwerken mit ganz viel Glück und Geschick gelingt es, das über Gewinne beim Verkauf von Energie (Strom, Gas, Heizung) quer zu subventionieren. Seit der neoliberalen “Liberalisierung” des Energiemarktes, von der EU und allen Bundesregierungen angetrieben, sind sie allerdings verschärfter nationaler und internationaler Konkurrenz ausgesetzt. Die Energiegewinne sind unsicher und schmilzen. Und die Kommunen sind – überwiegend – pleite. Schwarze Null und Schuldenbremse, falls Sie sich erinnern.
Die Stadtwerke Bonn können das Problem nicht lösen. Die Bundesregierung und ihre Macht in der EU könnte es. Weg mit den Subventionen für Flugbenzin und Agrardiesel, weg mit Eigenheimzulagen, Pendlerpauschalen und Dienstwagensubventionen. Dafür wirkungsvolle Daseinsvorsorge: Pflege öffentlicher Bauwerke, Strassen, Schienenwege und Brücken, Modernisierung öffentlicher Fuhrparks, gleichberechtigte Verkehrserschliessung aller öffentlichen Räume inkl. Versorgungsinfrastuktur für die Kommunikation.
Ein weites Feld, für das eine Stadt Druck von unten und Hilfe von oben benötigt.

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