Hauptsache Auffallen

Von , am Mittwoch, 24. April 2019, in Medien, Politik.

Der Bundesaussenminister beeindruckt die deutsche Medienöffentlichkeit mit seiner im Prinzip lobenswerten Initiative gegen die sexuelle Gewalt als Mittel der Kriegsführung. Zwei konstruktiv-kritische Einwände habe ich dazu: um seine Initiative wirksam zu machen, kommt er wohl nicht darum herum, dann auch den Krieg als Mittel der Politik zu ächten. Und die Frauen in seinem eigenen Regierungsbereich besser zu schützen – da ist noch viel Luft nach oben. Hier gehts zum Spenden fürs Bonner Frauenhaus.
Aber immerhin nimmt die deutsche Öffentlichkeit dadurch von diesem Politiker Notiz – besser mit einem guten, als mit einem schlechten Ansatz. Leider kommt es auf diesen Unterschied immer weniger an. Mr. Trump soll sich bei Twitter beschwert haben, warum die Zahl seiner Follower abnimmt. Weil das seine entscheidende Währung ist.
Die ausgezeichnete Medienredakteurin Anne Fromm/taz erklärt das uns Älteren heute an dem eigentlich unerheblichen Scharmützel zwischen einer Comedian und einer Spiegel-Redakteurin. Die Comedian Enissa Amani kenne ich sogar (nicht persönlich, sondern über die Glotze), weil ich mich aufgrund eigener positiver Erfahrungen für die iranische Einwanderer-Community interessiere.. Meine persönlichen Erfahrungen besagen: aussergewöhnlich gebildet mit akademischem Hintergrund, super-assimiliert in Deutschland, mehr als die Eingeborenen, besseres Deutsch, bessere Literaturkenntnisse, bessere Fussballerinnen, ordentlicher, pünktlicher, leistungsbereiter, zuverlässiger als der deutsche Strassendurchschnitt.
Frau Amani hat für sich die Karriere der Medienfigur gewählt. Bei Frauen ihres Alters und Aussehens kann das die Gesundheit schwer gefährden – da wünsche ich ihr nur alles Gute. Und wie sie agiert, bestätigt, dass sie die derzeitige Medienlandschaft genau so intelligent adaptiert, wie der weltweit unterschätzte – nur scheinbar doofe und irre – Geschäftsmann Trump. Frau Amani hat eine Gemeinde von einer halben Million.
Gleichzeitig weiss die Hälfte der Bevölkerung nicht, wer bei der Europawahl spitzenkandidiert. Genug Grund für Kopfschmerzen der Parteien und unserer politischen Öffentlichkeit.
Dieser Blog hat übrigens mehrere hundert Leser*innen täglich. Wenn ich das beschriebene Geschehen mit meinem 60+-Alter betrachte, kann ich darum nicht unglücklich sein.

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