Barca-Huldigung II

Von , am Donnerstag, 2. Mai 2019, in Fußball.

Ein Spiel, von dem ich noch am nächsten Morgen zehre, gedanklich noch ganz benommen bin. Javier Cáceres/SZ, Experte seiner Redaktion, liefert eine gute Analyse. Zwei Szenen gab es, die in der heutigen Berichterstattung kaum gewürdigt werden.
Marc-André ter Stegens Paraden werden alle aufgezählt. Damit kann jeder Torwart bei Journalist*inn*en glänzen, und es macht sich gut in Videoschnipseln. Seine ganze Klasse zeigte er aber in seiner schwächsten Szene. Eine Flanke von der linken Seite, kann auch eine Ecke gewesen sein, faustete er mehr hoch als weit. Andere Keeper wären dadurch erst recht unsicher geworden. Ter Stegen ist ein anderer Typ. Er muss sich so sehr über sich selbst geärgert haben, dass ihm das einen Adrenalinstoss zu noch höherer Konzentration gab. Der Ball kam als “Kerze” ungefähr an der Strafraumgrenze wieder runter. Dort pflückte er ihn sich höchstpersönlich. Sein anschliessender Abwurf Richtung Mittelkreis leitete den einzigen vielversprechenden Überzahlkonter Barcas in der ersten Halbzeit ein. Das von Cáceres zu Recht besonders erwähnte Liverpool-Pressing wäre damit um ein Haar überfallen worden.
Eine andere Szene an der gleichen Stelle, auf der rechten Abwehrseite Barcas spielte sich ohne ter Stegens direkte Beteiligung ab. Ein Barca-Spieler verhinderte mit einem hoch eingesprungenen Kopfball, dass der Ball ins Seitenaus ging. Obwohl er damit in der Defensive eine Risikosituation schaffte. Der Spieler an der Seitenlinie fehlt in diesem Moment seiner Mannschaft, wenn es darum geht, im Kampf um den Ball eine Überzahlsituation zu schaffen – wie es z.B. Liverpool jedes Mal machen musste, mit 3-5 Mann, wenn Messi am Ball war. Diese Szene wirkte so, als wenn dem Barca-Spieler eine Trainingsimpfung in Fleisch und Blut eingegangen war: Ball im Spiel halten, Gegner durch Tempo und Gedankenschnelligkeit unter Druck halten. Barca befreite sich tatsächlich aus dieser augenscheinlichen Bedrängnis. Auf allerengstem Raum, rechts neben dem eigenen Strafraum, kombinierten sie sich in den Gegner fast demütigender technischer Überlegenheit mittels eines eigenen Einwurfs Richtung Mittellinie vor. Eine Szene, die als Lehrvideo in die Fussballgeschichte eingehen muss. Es gelang nicht gegen irgendwelche Deppen, sondern gegen den FC Liverpool, trainiert von Jürgen Klopp.

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