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Fussball-Wunder gibt es nicht

In dieser Woche ergingen sich die PR-Begleiter des Fussball-Business im Besingen der Wiedergeburt der Champions-League durch diverse Fussball-Wunder, u.a. in Liverpool und Amsterdam. Mit Zauberei hatte das Geschehen nichts zu tun. Wichtigste Voraussetzung fĂŒr die in der Tat grosse fussballerische AttraktivitĂ€t des CL-Halbfinals war die Abwesenheit “deutscher Beteiligung”, von Oligarchen- und Konzernvereinen aus Madrid, Manchester und Paris. Verbleibender Favorit war Barca, das folgerichtig vor dem Finale ausschied.
Warum tat es das trotz 3:0 im Hinspiel? Die Medien in Deutschland und Britannien ergehen sich in Heldengeschichten ĂŒber JĂŒrgen Klopp. In der Tat ist das Faszinierendste an ihm, wie er die um den Finger wickelt, was leider auch sehr viel ĂŒber die verschwindende fachliche QualitĂ€t dieser Medien aussagt, Barca scheiterte in erster Linie an sich selbst; noch in der 1. Halbzeit hĂ€tte es mit nicht wenigen Torchancen in Liverpool in FĂŒhrung gehen und die Luft aus der ganzen Sache rauslassen können. So machte es den Gegner plus seine berĂŒhmten Anfield-Fans stĂ€rker, als er ohne die Verletzten Salah und Firminho war. In der zweiten Halbzeit scheiterte Barca an seiner steilen Mannschafts-Hierarchie, und daran, dass es weniger hungrig als der Gegner war. In einem Team, in dem hinter dem Boss Messi erst mal lange gar nichts kommt, ist keine Widerstandskraft und bedingungslose SolidaritĂ€t. Warum sich zerreissen, wenn der Chef versagt? Im Kern ist das die brutale Rache des Fussballs an den gesellschaftlichen VerhĂ€ltnissen, die sich durch immer extremistischere soziale HierarchieverhĂ€ltnisse auszeichnen.

Uefa-Kommando: “Wunder” bekĂ€mpfen!

Wenn Kommentatoren das in den letzten Tagen als Wunder bejubeln, ĂŒbersehen sie wissentlich, und versuchen uns im Auftrag der Uefa zu verdummen, was als NĂ€chstes kommt. Denn die Ungewissheit, die KO-Systeme im Fussball mit sich bringen, soll weiter bekĂ€mpft, die Planungssicherheit der kapitalstarken Fussballkonzerne dagegen erhöht werden. Angestrebt ist ein europĂ€isches Dreiklassensystem mit erster, zweiter und dritter Liga mit jeweils 32 Vereinen. Diese jeweils 32 sollen vier 8er-Gruppen bilden, die jeder gegen jeden spielen. Die obere 4er-HĂ€lfte jeder Gruppe soll dann in ein “Achtelfinale” einziehen. Das bedeutet in der Konsequenz eine Langweiler-Gruppenphase mit 14, statt bisher 6 Spielterminen. JĂŒrgen Klopp weiss nicht, “was die gefrĂŒhstĂŒckt haben”, die sowas ausdenken. Das kann ich ihm beantworten: die fressen und saufen Kapital. Und das verdauen die unendlich, so ist das System. Die Uefa will so verhindern, dass die Fifa ein Konkurrenzsystem dagegen setzen und die fettesten europĂ€ischen Fiussballkonzerne herausbrechen kann.

Der Rest an Freude am Sport

Die Bundesliga-West der A-Junioren hatte ihren letzten Spieltag. S04 hat gewonnen, der BVB hat zuhause nur 2:2 gegen den MSV Duisburg gespielt. Bemerkenswert die prominenten TorschĂŒtzen dieses Spieltages aus diesem WAZ-Bericht:
Ahmed Kutucu (S04)
Joselpho Barnes (S04)
Görkem Can (S04)
MĂŒnir Levent Mercan (S04)
Kevin Vangu Phambu Bukusu (Bayermonsanto)
Wir schaffen das? Geht doch! Und gleich gehts weiter im schönsten Fussballstadion Bonns, auf Naturrasen: Spitzenspiel der Kreisliga A, SV Beuel 06 gegen SV Niederbachem.

1 Kommentar

  1. Gert Samuel

    Martin hat recht: Das waren keine Fußball-„Wunder“. Dem Sympathie- und HoffnungstrĂ€ger der diesjĂ€hrigen Champions League fehlten nur ein paar Sekunden, um alle Fußball-Romantiker*innen (wie auch mich) zum Mitfiebern mit Ajax Amsterdam im CL-Endspiel am 1. Juni gegen Liverpool mitzunehmen.
    Liverpool war beim 0:3 in Barcelona nicht drei Tore schlechter, die Klasse von Messi machte da allerdings den Unterschied. Im RĂŒckspiel, das nun als „Wunder“ tituliert wird, haben die Barca-Spieler als echte „BVB-Kopien“ (?) agiert und Fehler ĂŒber Fehler produziert, die zu allen vier Toren fĂŒhrten. Beim Rennen um die Meisterschaft wird dem BVB-Team „Unreife“, „fehlende MentalitĂ€t“ und „jugendlicher Leichtsinn“ zugeschrieben. Was war das dann bei Barca?
    FĂŒhrte „jugendlicher Leichtsinn“ auch zum Ausscheiden von Ajax? Ich mag Tottenham nicht, vielleicht deshalb nicht, weil sie die KO-Spiele so ausgebufft ĂŒberstanden haben, mit einem gnadenlos effektiven Son und einem Keane, der kein guter Fußballer ist, aber trifft, wenn ihm dazu die Möglichkeit gelassen wird. Das geschieht eben meist nach Fehlern der gegnerischen Mannschaft.
    Es ist schade, dass es nicht zur Herausforderung der jungen Ajax-Mannschaft an die zusammengekaufte Millionengruppe aus Liverpool kommt. Das hĂ€tte schon seinen Reiz gehabt. Jetzt also Starensemble versus Starensemble. Und beide auch noch aus der englischen Liga. NatĂŒrlich eine kleine Überraschung, aber keine die emotional anspricht, sondern eher deprimiert. Trotz der Tatsache, dass Kloppo als nicht unwesentlicher Teilnehmer an diesem Endspiel dabei sein wird. Schon allein das reicht fĂŒr viele dazu aus, ins SchwĂ€rmen zu geraten und darauf zu warten und zu hoffen, dass er seine „finalen PechstrĂ€hnen“ am 1. Juni in Madrid wird hinter sich lassen können. Und dann wĂ€ren auch „wir“ CL-Sieger?

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