Wiglaf

Von , am Donnerstag, 16. Mai 2019, in Genuss, Medien.

Das Schönste an seinem Tod ist, dass er seine Nachrufe nicht mehr erleben muss. Um seinen Vornamen habe ich ihn bemitleidet, um seinen Lebensstil eher beneidet. Es erweckt ja oft den Eindruck, dass die, die jung sterben, besonders “intensiv” gelebt haben. Ich glaube aber nicht, dass das empirisch nachweisbar ist.
Ich habe Wiglaf Droste nie persönlich kennengelernt. So bleibt mir für immer unklar, ob wir uns persönlich gemocht hätten. In der Hinsicht machte er auf mich immer einen strengen Eindruck, Claudia Roth weiss, was ich meine. Er war Ostwestfale, schwieriger Fall, ich dagegen halte einen Landesrekord in der Grenzüberschreitung zwischen Rheinland und Westfalen (bei mir: zwischen Essen-Karnap und Gladbeck-Brauck). Immerhin hatten wir in Vincent Klink einen gemeinsamen Freund. Mit ihm zusammen hat er auch den für mich bedeutendsten Teil seines Lebenswerks hinterlassen, den “Häuptling eigener Herd”. Ich kenne nur weniges, was lesenswerter war. Ein Zentralorgan der Lebensbejahung, der Genusspropaganda, der Lüste aller Art. Menschsein könnte so schön sein, wenn die politische Ökonomie dem nicht entgegenstünde. Einer weniger, der mit uns dafür kämpft. Aber es kommen Neue.
Update am Nachmittag: Fritz Eckenga, der mit Wiglaf befreundet war, sprach einen schönen Nachruf auf WDR5. Und für 16.10 h hat der DLF Küppi als Gesprächspartner zu Wiglaf angekündigt; in der Audioversion ist seine Trauer gut zu hören.

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