Es ist wie so vieles nur noch eine Momentaufnahme, aber eine vielsagende: in den grössten und reichsten Ländern Westeuropas sind die Liberalen erfolgreich.
In Frankreich stellen sie den Staatspräsidenten und sind bei den Wähler*inne*n das stärkste Gegengewicht zur autoritären und teilweise neofaschistischen Rechten. So traurig ich das politisch finde. Die einstmals glorreiche gaullistische Rechte wurde von Nicolas Sarkozy so nachhaltig zerstört, wie es sonst nur Gerhard Schröder mit der SPD geschafft hat. Die äusseren Erscheinungsformen ähneln sich – ohne dass es hierzulande wahrgenommen wird (Update nachmittags: Thomas Pany/telepolis greift es auch auf, ebenso Georg Blume/Sp-on, den ich aber erst wieder verlinke, wenn Sp-on begreift, dass ich keinen Adblocker benutze; und selbst wenn …). Denn der CDU steht Ähnliches noch bevor.
Im United Kingdom sind es die Liberaldemokraten, die den Gegenpol zu den rechtsradikalen Brexiteers bilden. Bisher, in Umfragen. Sie hatten sich bereits einmal von ähnlicher Höhe kommend selbst ruiniert, durch eine Koalition mit den Konservativen. Eine Parallele zu Deutschland.
Diese Liberalen in Frankreich und England sind da, wo die FDP-Rechten Möllemann und Westerwelle immer hin wollten, aber halt zu rechts dafür waren. Und ein gewisser Herr Lindner ist es auch. Eine Spätfolge der FDP-Spaltung von 1982, deren Geschichte Sie in diesem Buch wiederfinden. In Deutschland haben diese Rolle der aufstrebenden Liberalen jetzt die Grünen erobert. Bisher wagen es nur die am wenigsten angesehenen und mit eigener politischen Agenda arbeitenden Demoskopiekonzerne Forsa (Frog, Friends of Gerd) und Insa (AfD-nah) den Grünen diese Daten zuzuordnen. Ich vermute, die andern werden nachziehen. Die Schwäche der Politiker*innen erlaubt Demoskop*inn*en, Medien, ja selbst Satiriker*inne*n immer mehr Zugriff aufs Steuerrad.