Schlagzahl der Niederschläge

Von , am Dienstag, 4. Juni 2019, in Medien, Politik.

Am SZ-Leitartikel von Ferdos Forudastan habe ich heute nichts auszusetzen – ausser natürlich, dass es immer viel zu ergänzen gibt. Richtig hebt sie u.a. hervor, dass eine wachsende Zahl von Menschen nicht bereit ist, sich selbst noch ein Politiker*innen*leben zuzumuten. Es sind nicht die Dümmsten. Richtig hebt Ferdos auch die “Schlagzahl” hervor, mit der im selbstreferentiellen Mikrokosmos Hauptstadtberlins ausgeteilt wird. Die Akteur*inn*e*n nutzen die asozialen Netzwerke als Kampfmittel, glauben sie. In Wirklichkeit sind sie nicht Nutzer*innen, sondern Objekt. Sie treiben nichts voran, sondern lassen sich treiben. Schwächlinge!
Sie mögen studieren, was der Multimultimultimillionär Neymar gerade treibt. Vom Kapitalgewicht her steht er einem mittelgrossen Fussballkonzern vor. Mit seinem Umsatz der inkl. Werbegeldern die Milliardengrenze streifen könnte, kann mann sich recht teure, ja sogar qualifizierte Berater*innen und PR-Abteilungen leisten. Der Datenbank Transfermarkt (Mitbesitzer: Springer-Konzern) zufolge solle es sich, wie schon bei Özil und Gündogan, um “Familienangehörige” handeln. Ich weiss nicht, ob Neymar ein Vergewaltiger ist. Wenn ja, in den Knast mit ihm. Unabhängig davon hat er in den asozialen Netzwerken in kürzester Zeit so viele Eigentore geschossen, dass es einer multimillionenschweren Kapitalvernichtung gleichkommt (sein geschätzter “Marktwert ist schon um 40 Mio. gefallen).
Politiker*innen, die meinen, die ebengleichen Medien bespielen zu müssen, sollten vorher mehrmals durchatmen und vor allem … denken. Was davon ist profilbildend? Was unterscheidet mich von Anderen? Was kann ich besser (im Unterschied zu: schneller!)?
Ein Telepolis-Interview mit einer Rosa Kreh von “Ende Gelände” zeigt schön, woran es fehlt. Nicht an gutem Willen, Engagementbereitschaft und moralischer Radikalität. Tomasz Konicz versucht verzweifelt, aus der sympathischen Dame strategisch durchdachte Sätze herauszulocken. Doch es kommt nur wenig. Der Aktionismus lässt dazu keine Zeit. Es gibt zuviel zu kümmern. An dieser Stelle ist es verzeihlich. Bei Profis nicht. Das ist das Problem der Hauptstadtblase.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.