Die Bahn ist kein Ponyhof

Von , am Samstag, 29. Juni 2019, in Beuel & Umland, Politik.

Wundersame Bahn XXIX – Bonn Heimersheim und nicht zurück

Vergangenen Sonntag am Bonner Hauptbahnhof. Gespräch mit einer Frau, die regelmäßig von Remagen nach Bonn pendelt. Wir sprechen über unsere jeweiligen Erfahrungen mit Zügen die fahren – oder auch nicht. Ich zeige mich erfreut über die Tatsache, dass mein Zug tatsächlich durchfährt – von Bonn bis zu meinem Ziel Heimersheim – einem kleinen Ortsteil von Bad Neuenahr-Ahrweiler. Sie antwortet: „Na dann freuen sie sich sicher.“ Ich erwidere, ja aber ich bin überzeugt, der Bahn wird sicher noch was einfallen, ich tippe auf Triebwerkschaden spätestens in Remagen. Wir lachen. War ja ein kleiner Scherz, heute passiert so etwas nicht. Und siehe da – der Zug kommt, pünktlich – ist nicht überfüllt, drinnen ist es nur ein bisschen warm. Normal bei dem Wetter, vielleicht läuft die Heizung noch. In paar Monaten ist ja wieder Weihnachten und es wird kalt. Die Bahn sorgt eben vor.

Bitte alle aussteigen

Wer weiß. Nein die Heizung ist es nicht, nur die Klimaanlage. Mir egal, bis Heimersheim sind es nur noch zwei Stationen. Dann die Durchsage: “Wir haben einen Ausfall der Klimaanlage, diese Fahrt endet hier, bitte alle aussteigen.“ Auf dem Gleis gegenüber wartet in sengender Sonne ein Zug, der laut Plan in rund 40 Minuten in die gleiche Richtung wie mein RB 30 fahren soll – nur eben bis Dernau. Mir egal, steige vorher aus – will ja nur nach Heimersheim. Nachdem der Zug keine Anstalten macht, sich zu bewegen, steige ich aus, klopfe an die Scheibe des Lokführers. Der öffnet sichtlich genervt und meint auf meine Frage, wann er denn abführe, das sei doch sicher der Ersatzzug für den ausgefallenen RB 30. „Nein das sehen Sie doch, ich fahre planmäßig um 16.50 h nach Dernau.”

Kein Ponyhof

Ich rufe den „Bahn Dialog“ an, frage, warum man uns jetzt 40 Minuten in der Sonne grillt und nicht den vorhandenen, fahrbereiten Zug schleunigst auf die Strecke schickt. Spöttisches Erstaunen. Der Zug sei nun mal kaputt, das gäbe es schon mal, und wörtlich der erstaunliche Hinweis: „Die Bahn ist kein Ponyhof. Das ist ein komplexes System.“ Mein Auto sei doch auch schon mal kaputt…
Meine Antwort: „Nein mein Auto kann nicht kaputt gehen, ich habe zwar einen Führerschein, aber seit 30 Jahren kein eigenes Auto mehr. Ich fahre Bahn.” Die Antwort: Lachen. Der Mann hat Humor, wenn auch einen eigenen.
Jedenfalls es sei so, dass ich dann mal 10 Minuten später nach Hause käme, das sei doch nicht so schlimm. .. ich wende mich an die Pressestelle der Regionaldirektion (DB-Regio). Über die Antwort werde ich berichten.

Es fährt kein Zug .…

Meine Rückfahrt von Heimersheim war für 20.57 h geplant. Ich schreibe „geplant“ – weil wie auf der Hinreise gab es auch bei der – geplanten – Rückreise ein Problem. Der Zug fiel aus. Die Lautsprecherstimme bat um Verständnis und entschuldigte sich. Ein Abend am Bahnhof in Heimersheim ist nicht unbedingt das, was man seiner Liebsten zum Geburtstag schenken sollte.
Im weiter entfernten Ort wird es vielleicht ganz nett sein, sicherlich gibt es guten Wein und lecker Essen. Aber am Bahnhof selbst gibt es nur Gleis und einen Automaten, sonst nichts.

Hilfe von der Hotline

Nein bis kurz vor 22 h möchte ich hier nicht warten. Also Anruf beim Kundendialog für die NRW-Bahnen. Schildere die Situation, dass ich mich zwar im VRS bewege, aber im erweiterten Gebiet und schon im Nachbarland Rheinland-Pfalz. Antwort der offenbar sehr verständnisvollen Bahnmitarbeiterin. „Ja aber sie sollen ja irgendwie nach Hause kommen.“
Ruhe in der Leitung, nachdenken dann „Hören Sie, ich schicke ihnen einen Code aufs Handy, sie können ein Taxi nehmen bis 50 Euro. Schicken Sie das ein, schreiben Sie den Code drauf. Die Fahrt wird ihnen erstattet. Beziehen Sie sich auf mich und unser Gespräch.”

Ich bedanke mich – wenige Minuten später summt mein altes Handy, Nachricht der Bahn. Ich suche am Bahnhof nach einer Taxi-Nummer, mit dem Handy die Auskunft anzurufen, ist mir zu teuer. Also frage ich einen Passanten, bekomme eine Nummer und bin schnell in Remagen. Von dort fährt dann relativ bald ein Zug nach Bonn. Geschafft. Zu Hause schreibe ich an die Pressestelle der Bahn, darin stelle ich u.a. folgende Fragen:

„Wenn Sie das mit der Klimaanlage im Sommer, genau so wenig hinbekommen wie mit der Heizung im Winter, warum bauen Sie keine Züge, in denen man wieder die Fenster öffnen und somit selbst für Frischlust sorgen kann?
Wie viele Züge fielen seit 1. 6. 2019 auf der Strecke Koblenz-Köln (linksrheinisch) und Bonn-Ahrbrück aus?
Was unternimmt die DB Regio um wieder Ihrer Aufgabe, nämlich der Gewährleistung von Personentransport nach Fahrplan gerecht zu werden?”
Über die Antwort werde ich berichten.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.