“Unsere” Landwirtschaft – unser Selbstmord?

Von , am Dienstag, 23. Juli 2019, in Politik.

Das PR-Desaster, das der industriehörige Deutsche Bauernverband und die ihn aushaltende agrochemische Grossindustrie über viele Jahre und Jahrzehnte angerichtet haben, ist so unermesslich, dass der Bauer von heute, der nur mit Mühe noch eine Gattin findet, seinen Kindern und Enkel*inne*n buchstäblich nichts mehr zu vererben hat, was die noch haben wollen würden. Das ist exakt das Szenario, das die #fridaysforfuture-Kinder ihren Eltern und Grosseltern vorwerfen.
Liebe Bauern, “liebe” Agrochemie. Euer Kreuzweg ist noch nicht zuende. DPA kündigt für den 8. August einen weiteren Sonderbericht des Weltklimarates (IPCC) an, für den Ihr Euren PR-Berater*innen-Armeen jetzt schon eine Urlaubssperre verhängen könnt. Es wird Euch nicht gefallen, was es da zu lesen geben wird. Der Zoologe Michael Schrödl gibt im Tagesspiegel-Interview schon mal eine Vorahnung, was Euch erwartet: es gibt einen nicht mechanistisch-einfachen, aber komplexen und Eure Existenzgrundlage vernichtenden Zusammenhang zwischen Klimawandel und Vernichtung der Artenvielfalt. Schrödl sagt: “Ich bin ein Optimist. Ich glaube an Rettung. Wenn wir endlich was tun.”
Doch mit Schadenfreude über die Deppen ist es nicht getan. Und mit ökologisch gerechtem Konsum von ein paar Millionen deutschen Individuen auch nicht. Politische Kunst ist gefragt. Das hält der faschistoide Präsident Brasiliens und Bruder von Trumps Geiste, Jair Bolosonaro der Öffentlichkeit unbarmherzig vor Augen. Es kann so einen Verbrecher nur mit Schmunzeln erfüllen, wenn die EU-Kommission, der jetzt eine deutsche Adelige vorsitzt, sich vor Stolz und Selbstlob nicht mehr einkriegt, weil sie mit ausgerechnet ihm und seinen Spiessgesellen ein “Freihandelsabkommen” ausgehandelt hat. Wenn Sie darin die Stelle finden, die bestehenden Wald vor Abholzung schützt (“Wiederaufforstung” würde noch einmal 30-100 Jahre dauern, bis sie vergleichbare Klimaeffekte erzielt), dann würde ich diese Stelle hier gerne veröffentlichen.
Die Kunst europäischer Politik bestünde darin, demokratische Kräfte in den klimapolitischen Schwergewichten Brasilien und USA so zu unterstützen, dass sie diese Regimes möglichst zügig entmachten können. Das brächte klimapolitisch sicherlich mehr, als Veganer*in zu werden (ich weiss: das gegeneinander zu halten, ist Quatsch, es soll nur der Vorstellung dienen, was wie gewichtig ist).

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.