Ungefährlicher als Düsseldorf: Gelsenkirchen

Von , am Sonntag, 4. August 2019, in Beuel & Umland, Medien, Politik.

Ein Berliner Radiosender versucht sich an der Stadt, in der es sich leut ZDF/Prognos am schlechtesten lebt – Platz 401 von 401
DLF-Kultur kündigte in seiner heutigen Folge der Reihe “Deutschlandrundfahrt” einen einstündigen Beitrag zu Gelsenkirchen an. Oje, dachte ich: schon wieder ein Berliner Medium, das eine Safari-Expedition ins exotische Ruhrgebiet ausgesandt hat. So schlimm ist es nicht geworden. Sogar gut.
Die Berliner haben nämlich den hohen Reiseaufwand gescheut, und einen Westfalen aus dem Oberschichtzentrum Münster ausgesandt: Heiner Wember. Der braucht mit dem Auto, inkl. Staus nur eine Stunde. Und mit der Bahn, wenn sie fährt, auch. Von meiner Erfahrungswelt an der Demarkationsgrenze zwischen Rheinland und Westfalen, die ich zwischen Essen, Gladbeck und Gelsenkirchen-Horst täglich überquerte, aus gesehen, sind Münsteraner über das Alltagsleben im Ruhrgebiet ähnlich ahnungslos wie Düsseldorfer. Sie sind schlicht viel zu reich, sonst würden sie nicht da wohnen, wo sie wohnen – und deswegen gibt es bei denen mehr Kriminalität, als im Ruhrgebiet: bei ihnen ist mehr zu holen. Aber vielleicht war es exakt dieser Blick, den sich die Berliner wünschten, als sie den Münsteraner Wember beauftragten ;-)
Nein im Ernst, es ist dieses Mal anständig und fair geworden. Wenn Sie das Ruhrgebiet nicht kennen, erfahren Sie hier mehr. Und wenn Sie es kennen wie ich, wissen Sie selbstverständlich alles besser.
Es gibt viel Gutes, das an dieser Besserwisserei im Ruhrgebiet scheitert. Seine Aufteilung in mehrere Dutzend Kommunen, auf drei Regierungsbezirke (mit Sitz in Münster, sic! in Düsseldorf sic!, und gar Arnsberg, von dem die meisten im Ruhrgebiet so wenig wissen, wo es liegt, wie Sie) war eine wesentliche Voraussetzung dafür, es als politische und soziale Macht niederzuhalten. Schon zu den Zeiten, als es zu Preussen gehörte; und erst recht in der Gegenwart des politischen Kunstgebildes Nordrhein-Westfalens; Rheinländer und Westfalen in einem Bundesland – das ist furchtbar, aber es geht. Was dagegen nicht geht, ist ein Radweg über diese Verwaltungs-Vorgärten-Grenzen hinweg. Das ist das Ruhrgebiet und deutsche Verwaltungskunst von heute.

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