Fall Tönnies: mehr “Wirtschaft” als “Sport”

Von , am Samstag, 3. August 2019, in Fußball, Medien, Politik.

Alle Vereinfacher, ausser Sarpei
Den Fall Tönnies hatte ich schon vor seinen spektakulär-rassistischen Äusserungen kommentiert. Im Kern geht es nicht um den Fussballverein in Gelsenkirchen, sondern um einen weltweit operierenden Fleischkonzern mit Firmensitz in Rheda-Wiedenbrück. Mann muss schon schwer in die Tiefen des deutschen Fussballbusiness verstrickt sein, wenn mann als grundsätzlich kritikfähiger Geist formuliert: “Clemens Tönnies ist vielleicht kein Rassist, aber solche Äußerungen in einer öffentlichen Rede zu tun, lassen daran zweifeln, dass er nicht wirklich so denkt.” So Peter Ahrens bei Sp-on. Und ich fragte mich: sind alle Lektor*inn*en im Wochenende; oder war der*die CvD gerade aufm Klo?
Darum gebe ich hier lieber Hans Sarpei das volle Zitat, der jedes Recht dazu hat, den Fall zu kommentieren:

“Die Aussagen von #Toennies zeigen ein Weltbild, dass an die Kolonialzeit erinnert. Es sind rassistische Bemerkungen, die in keinster Weise mit dem Leitbild des @s04 vereinbar sind. Als Mitglied wünsche ich mir, dass der Ehrenrat klar Position bezieht und über Konsequenzen berät.
Natürlich kann man sich entschuldigen, aber dann sollte man es auch bei denjenigen machen, die man rassistisch in Kolonialmanier beleidigt und nicht bei Dritten. Sorry, Jochen Schneider, aber diese Äußerung ist einfach nur schlecht und uninformiert. @s04 #Toennies
Wer stolz darauf ist, dass er in Afrika „die ganze Palette abgejagt“ hat und diese Tiere voller Stolz in Rheda präsentiert, der ekelt mich an. Er tritt einen Kontinent mit seinen Taten und Aussagen wiederholt mit Füßen. Da nutzt keine einsilbige Entschuldigung gegenüber Schalkern.”

Wer Tönnies mit wirksamen Konsequenzen konfrontieren will, muss weg von der Marke “Schalke”, von Fussball und seinen dubiosen Werten. Tönnies’ Macht basiert auf Fleisch, und davon sehr viel. Sein Konzern beschäftigt weit über 10.000 Menschen, überwiegend unterbezahlt. Er ruiniert aggressiv Landwirtschaften fremder Länder, angefüttert mit deutschen und EU-Subventionen, und davon wiederum sehr viel. Von der Belastung des Klimas ganz zu schweigen.
Die Handwerker*innen (und der Erzbischof!), die in Paderborn geschwiegen oder gar applaudiert haben, müssten spätestens jetzt wissen, warum sie unter “Fachkräftemangel” leiden, und niemand mit einem Minimum an Verstand bei ihnen eine Ausbildung machen will. Und die Doofen, die es trotzdem wollen, müssten dringend davor geschützt werden – praktizierter “Verfassungsschutz” (anders als die Behörde, die sich so nennt).
Wer so redet wie Tönnies, also praktizierender Verfassungsfeind ist, der kann von mir aus “Auf Schalke” grölen, wie er will. Aber er darf weder Steuersubventionen kassieren, noch Menschen ausbilden. Das kann nicht ein “Ehrenrat” eines Gelsenkirchener Vereins regeln, sondern das ist Sache des Gesetzgebers.

Ein Kommentar zu “Fall Tönnies: mehr “Wirtschaft” als “Sport”

  1. Peter Kramer

    ….und weil bei Tönnies alles zusammenkommt was einen schaudern lässt, ist die Firma auch Ziel des diesjährigen Aktionstages gegen Fertigmacher der aktion arbeitsunrecht e.V. am 13. September, siehe: arbeitsunrecht.de/freitag-13/

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