Zwischen 2011 und 2013 war Stefan Niggemeier 1 1/2 Jahre Angehöriger der Redaktion des Spiegel. U.a. verantwortete er seinerzeit seinen gemĂ€ssigt selbstkritischen in Spiegel-online eingebetteten Spiegel-Blog. In dieser kurzen Zeit muss er eine betrĂ€chtliche Menge Feindschaften gesammelt haben. Wenn eine*r ĂŒber einen Gegenstand “zuviel” weiss, schĂ€rft das im besten Falle den kritischen Blick; und im ungĂŒnstigen Fall fĂŒhrt es zur unbedachten Begleichung alter Rechnungen. Ich bin mir nicht sicher, wie dieses MischungsverhĂ€ltnis im Fall Niggemeier vs. Spiegel heute aussieht. Da es aber verschwindend wenige Medien gibt, die ĂŒberhaupt noch in Journalismus so investieren, dass sie den Spiegel seriös kritisieren können, lese ich Niggemeiers entsprechende Texte mit grossem informativem Gewinn. Niggemeier scheint mir im aktuellen Fall ein Problem und einen Konflikt zu beleuchten, dem ich in Ă€hnlicher Weise in Strukturen der GrĂŒnen begegnet bin.

Das “Gute” wollen, aber Mist bauen …

Ich unterstelle dem von Niggemeier kritisierten Kollegen Buschmann, dass er politisch auf das Richtige hinaus will: Korruptionsstrukturen im Fussballbusiness zutage fördern und moralisch und politisch diskreditieren. Woran es ihm mangeln könnte, ist angemessene Selbstkritik (angesichts des unbarmherzigen Konkurrenzkampfes im eigenen Stall) und kĂŒhle politische und vor allem journalistische AbwĂ€gung. Strategie und Taktik werden unĂŒbersichtlich vermischt, und im Mittelpunkt steht immer das ICH. Ich kenne Buschmann nicht, und kann seinen individuellen Charakter daher nicht seriös einschĂ€tzen oder beschreiben – aber ich bin sicher, dass es eine Spiegel-spezifische Deformation gibt, der alle Mitarbeiter*innen ausgesetzt sind, und der Niggemeier, wie viele Andere vor ihm, schnell wieder entfliehen wollte.
Was in diesem von Niggemeier aufgerollten Fall auffĂ€llt, ist die Wirkung ins Gegenteil. Die SchwĂ€che unzureichenden Handwerks und mangelnde CharakterstĂ€rke wirken sich entlastend fĂŒr die Fifa-BetrĂŒger aus und stabilisieren ihr Unwesen. Ich weiss auch nicht, warum ich dabei immer an die Linken innerhalb der GrĂŒnen denken muss …

Keine Interviews fĂŒr Paid Content!

Einen wichtigen PR-handwerklichen Tipp gibt ihnen Thomas KnĂŒwer, ein Ă€hnlicher Fall wie Niggemeier. Von 1997 bis 2009, also entschieden lĂ€nger als Niggemeier beim Spiegel, hat er es beim Handelsblatt ausgehalten. Und dann hoffentlich eine gerechte Abfindung mitgenommen, mit der er unmittelbar anschliessend seine Agentur kpunktnull.de grĂŒndete. In seinem immer lesenswerten und thematisch vielfĂ€ltigen Blog indiskretionehrensache.de, den er seit 2005 betreibt, erklĂ€rt er am Schadenfreude bereitenden Fall des CDU-Karrieristen Carsten Linnemann, was mann beim Interviewgeben alles falsch machen kann, selbst wenn mann*frau u.U. ĂŒberhaupt nichts Falsches sagt. Sie als meine Leser*innen wissen ja, dass ich nicht weiss, ob die Figuren im Hauptstadtberlin ĂŒberhaupt lesen. Wenn ja, sollten sie diesen KnĂŒwer nicht ĂŒbersehen.