Journalismus-Handwerk – warum immer weniger?

Von , am Mittwoch, 7. August 2019, in Medien.

Zwischen 2011 und 2013 war Stefan Niggemeier 1 1/2 Jahre Angehöriger der Redaktion des Spiegel. U.a. verantwortete er seinerzeit seinen gemässigt selbstkritischen in Spiegel-online eingebetteten Spiegel-Blog. In dieser kurzen Zeit muss er eine beträchtliche Menge Feindschaften gesammelt haben. Wenn eine*r über einen Gegenstand “zuviel” weiss, schärft das im besten Falle den kritischen Blick; und im ungünstigen Fall führt es zur unbedachten Begleichung alter Rechnungen. Ich bin mir nicht sicher, wie dieses Mischungsverhältnis im Fall Niggemeier vs. Spiegel heute aussieht. Da es aber verschwindend wenige Medien gibt, die überhaupt noch in Journalismus so investieren, dass sie den Spiegel seriös kritisieren können, lese ich Niggemeiers entsprechende Texte mit grossem informativem Gewinn. Niggemeier scheint mir im aktuellen Fall ein Problem und einen Konflikt zu beleuchten, dem ich in ähnlicher Weise in Strukturen der Grünen begegnet bin.

Das “Gute” wollen, aber Mist bauen …

Ich unterstelle dem von Niggemeier kritisierten Kollegen Buschmann, dass er politisch auf das Richtige hinaus will: Korruptionsstrukturen im Fussballbusiness zutage fördern und moralisch und politisch diskreditieren. Woran es ihm mangeln könnte, ist angemessene Selbstkritik (angesichts des unbarmherzigen Konkurrenzkampfes im eigenen Stall) und kühle politische und vor allem journalistische Abwägung. Strategie und Taktik werden unübersichtlich vermischt, und im Mittelpunkt steht immer das ICH. Ich kenne Buschmann nicht, und kann seinen individuellen Charakter daher nicht seriös einschätzen oder beschreiben – aber ich bin sicher, dass es eine Spiegel-spezifische Deformation gibt, der alle Mitarbeiter*innen ausgesetzt sind, und der Niggemeier, wie viele Andere vor ihm, schnell wieder entfliehen wollte.
Was in diesem von Niggemeier aufgerollten Fall auffällt, ist die Wirkung ins Gegenteil. Die Schwäche unzureichenden Handwerks und mangelnde Charakterstärke wirken sich entlastend für die Fifa-Betrüger aus und stabilisieren ihr Unwesen. Ich weiss auch nicht, warum ich dabei immer an die Linken innerhalb der Grünen denken muss …

Keine Interviews für Paid Content!

Einen wichtigen PR-handwerklichen Tipp gibt ihnen Thomas Knüwer, ein ähnlicher Fall wie Niggemeier. Von 1997 bis 2009, also entschieden länger als Niggemeier beim Spiegel, hat er es beim Handelsblatt ausgehalten. Und dann hoffentlich eine gerechte Abfindung mitgenommen, mit der er unmittelbar anschliessend seine Agentur kpunktnull.de gründete. In seinem immer lesenswerten und thematisch vielfältigen Blog indiskretionehrensache.de, den er seit 2005 betreibt, erklärt er am Schadenfreude bereitenden Fall des CDU-Karrieristen Carsten Linnemann, was mann beim Interviewgeben alles falsch machen kann, selbst wenn mann*frau u.U. überhaupt nichts Falsches sagt. Sie als meine Leser*innen wissen ja, dass ich nicht weiss, ob die Figuren im Hauptstadtberlin überhaupt lesen. Wenn ja, sollten sie diesen Knüwer nicht übersehen.

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