Noch mehr Mittelmeer-Tote / Springer-Verlag adé?

Von , am Mittwoch, 7. August 2019, in Lesebefehle, Medien, Politik.

Unbeachtet von hiesiger Öffentlichkeit vollziehen sich im ehemaligen Staat Libyen viele neue tödliche Dramen. Der Krieg der Milizen wird brutaler. Die im EU-Auftrag von Sklavenhändlern betriebenen Internierungslager sind nicht mehr aufrechtzuerhalten. Tausende traumatisierte Insassen werden absolut mittellos “freigesetzt” – für sie ist der Tod eine “bessere” Alternative, als das, was sie erlebt haben, lieber Ertrinken als Bleiben. Während in hiesiger Berichterstattung Signore Salvini durchaus treffend als Bösewicht gezeichnet wird, sind sie ihm in den EU-Regierungen doch verteufelt ähnlich. Dank an die taz und ihren Mitarbeiter Mirco Keilberth, der im deutschsprachigen Raum fast alleine eine Berichterstattungs-Kontinuität aufrechterhält.
Frau Springer (wird nächste Woche 77) und Herr Döpfner (56, geb. in Bonn) versuchen ihr Vermögen zu “konsolidieren”. Frau Springer, geb. Riewerts, hatte eingeheiratet und kann den familiären Miterb*inn*en nicht über den Weg trauen. Sie vertraut Döpfner. Der ist schlau genug, teuer gedruckten und mühselig verteilten, subventionierten Zeitungen und Zeitschriften nicht mehr über den Weg zu treuen, jedenfalls nicht als Quelle von Profit und Bereicherung. In dieser Hinsicht denkt er schneller als die anderen milliardenreichen deutschen Verleger*innen, und hat so manche von ihnen schon übers Ohr gehauen, indem er ihnen Teile seiner publizistischen Produktion zu überteuerten Kaufpreisen angedreht hat. Jetzt haben Frau Springer und Herr Döpfner eine Heuschrecke den Überresten der Springerfamilie und den Ungewissheiten des Börsengeschehens vorgezogen, um ihr Renditeschäfchen ins Trockene zu bringen. Sonst bin ich in solchen Fällen immer gewerkschaftlich orientiert, und sorge mich um das Wohl der Beschäftigten, denen von ihren Boss*inn*en auf diese Weise der Stinkefinger gezeigt wird. In diesem Fall, wenn ich mir ansehe, was dort produziert und propagiert wurde und noch wird, fällt es mir ehrlich schwer.

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