Es war immer schon teurer einen guten Geschmack zu haben. Daran wurde ich immer wieder erinnert, wenn ich meine bevorzugte Reiseart, Bahn & Schiff, nutzte. Ende der 70er mit dem Nachtzug nach Ancona (er fuhr damals weiter bis Lecce, ganz im Süden, Apulien), dort auf ein Fährschiff, das nicht nur nach Patras, sondern durch den Kanal von Korinth nach Piräus (und weiter nach Israel, mit strenger Zollkontrolle) fuhr. Von diese Verkehrsmitteln gibt es heute keins mehr. In den 90ern war es immerhin noch möglich, mit Nachtzügen Florenz oder Genua zu erreichen, um in letzterer auf Fähren umzusteigen. Und alles war um ein Vielfaches teurer als zu fliegen.
Christian Schwägerl erinnerte in der FAS an weitere europäische Nachtzugverbindungen. Aber was noch viel besser ist: er träumt Strategieträume europäischer Bahngesellschaften für eine Reaktivierung eines europäischen Nachtzugsystems. Am wenigsten überraschend an seiner Story: die Deutsche Bahn sitzt im letzten Wagen, ganz hinten. Und wenn es dazu kommt: wem haben wir das zu verdanken? Den Kindern, die die Regierungen zum Jagen tragen.

Über den/die Autor*in: Martin Böttger

Martin Böttger ist seit 2014 Herausgeber des Beueler-Extradienst. Sein Lebenslauf findet sich hier...
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