Von Günter Bannas
Auf das zu Ende gehende Jahr ein anderer Blick: 2019 ist, in der Politik in Deutschland, ein Jahr der Politikerin gewesen. Zwar ist der Anteil weiblicher Abgeordneter im Bundestag zurückgegangen. Doch waren es Frauen, die Politik machten und die Schlagzeilen beherrschten. Vor allem in der CDU und in der SPD – und natürlich mit Gewinnerinnen und Verliererinnen. „Parität in allen Bereichen erscheint mir einfach logisch. Das muss ich nicht dauernd extra erwähnen“, hatte Bundeskanzlerin Angela Merkel zu Beginn des Jahres gesagt. So ist es auch gekommen.

Auch Merkels „Ich glaube nicht, dass Frauen generell andere Frauen bewundern“ bewahrheitete sich. Schon, dass sie noch im Amt ist, ist einer Anmerkung wert; vor zwölf Monaten erschien das nicht als sicher. Das Verhältnis zwischen ihr und Annegret Kramp-Karrenbauer, ihrer Nachfolgerin als CDU-Parteivorsitzende, ist nicht ungetrübt. Kramp-Karrenbauer musste sich – ihrer Selbstbehauptung wegen – gegen die Kanzlerin durchsetzen. Im Sommer wurde nicht Jens Spahn (CDU) Verteidigungsminister, was viele vermuteten. Kramp-Karrenbauer griff zu, als das Amt frei geworden war. Warum? Ursula von der Leyen wurde EU-Kommissionspräsidentin und nicht Manfred Weber (CSU), der als Spitzenkandidat bei der Europawahl eigentlich dafür vorgesehen war.

EU-Spitzenkandidatin der SPD war Katarina Barley, die von Andrea Nahles, als sie noch über Einfluss verfügte, in diese Position gehievt worden war – zu Lasten von Udo Bullmann, einem erfahrenen SPD-Europapolitiker. Für Nahles nahm es kein gutes Ende, was vor allem mit dem Zustand der SPD zu tun hatte. Nahles, die erste Frau an der SPD-Spitze von Partei und Fraktion, wurde verdrängt. Beachtenswert ist, dass sie es unterließ, hernach – so wie ihre männlichen Vorgänger – schlecht über die Partei zu reden. Während der Suche nach einer neuen Führung wurde die SPD von Ministerpräsidentin Malu Dreyer repräsentiert. Dass Olaf Scholz scheiterte, lag nicht nur an Kevin Kühnert. Saskia Esken setzte sich mit ihren Attacken gegen den Finanzminister durch.

Und die Grünen? Wenn es bei ihnen um Sachpolitik und nicht um politisches Feuilleton geht, ist Annalena Baerbock gefragt und nicht ihr männlicher Ko-Vorsitzender Robert Habeck. Bleibt die Frage, wer im Februar neuer Bürgermeister von Hamburg wird. Peter Tschentscher (SPD) oder Katharina Fegebank (Grüne)? Die Frau hat gute Aussichten.

Günter Bannas ist Kolumnist des HAUPTSTADTBRIEFS. Bis März 2018 war er Leiter der Berliner Redaktion der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Dieser Beitrag ist eine Übernahme aus “DER HAUPTSTADTBRIEF AM SONNTAG in der Berliner Morgenpost”, mit freundlicher Genehmigung des Autors und der Redaktion.