Wohnungsnot / Wundersame Bahn XLVI
HĂ€tte ich das MietshĂ€user-Syndikat schon vor ĂŒber 20 Jahren gekannt, wer weiss, ob ich dann heute in meiner Single-Eigentumswohnung hausen wĂŒrde? Im Rahmen der herrschenden VerhĂ€ltnisse ist es gewiss eine gute Idee. Eine politische Lösung kann es, schon von seinem minimalen Umfang her gesehen, nicht sein. Als Angehöriger der zu ihrer Zeit langlebigsten Wohngemeinschaft Bonns in Beuel (1971-1998), freut es mich zu sehen, dass sich auch heute noch Menschen zu erstaunlich grossen Gruppen zusammenfinden, um gemeinsam zu wohnen. Ich versichere: das ist immer ein grosser Lernprozess, ĂŒber sich selbst, und die Menschen an sich. Vom Beueler Leuchtturmprojekt Amaryllis sind mir beispielsweise GrĂŒndungsmitglieder bekannt, die, als endlich alles stand, vom Verein bis zu den HĂ€usern, entnervt ausstiegen. Die menschlich-soziale Seite des Projekts war ihnen zu anstrengend geworden; sie mussten sich davon erholen. Das zeigt, wie jede’ Jeck halt anders ist – je grösser und diverser die Gruppe, umso mehr. Das ist kein Gegenargument zu Gruppenprojekten, sondern nur ein realistischer Hinweis, der immer bedacht sein will.
Gesamtgesellschaftlich ist solche verdienstvolle Anstrengung leider nur ein Tropfen auf einen heissen Stein. In der Wohnungspolitik ist eine grundlegende UmwÀlzung erforderlich, die das Eigentum an Grund und Boden verfassungsgemÀss in seine Verpflichtung zum Wohl der Allgemeinheit zwingt, z.B. die erzielten Extraprofite zugunsten von sozialem Wohnungsbau abschöpft, und die verfassungegemÀsse Möglichkeit der Enteignung aggressiv zur Anwendung bringt.

Wundersame Bahn XLVI

Das Management der Bahn weiss, wie es mit seinem Aufsichtsrat spielen muss. Die dort sitzenden Politiker*innen, die sogar bis in den Konzernvorstand eingesickert sind, können nicht schweigen. Sie neigen, zumal in Hauptstadtberlin, zur GeschwĂ€tzigkeit. Zu eng sind die Bande, die gegenseitige AbhĂ€ngigkeit, zu den zahlreich in den gleichen Restaurants verkehrenden Alphajournalisten. Das DB-Management weiss also, wie es Nachrichten durchstechen kann, ohne es hinterher gewesen zu sein. Auch GrĂŒne MdBs waren in den letzten Jahrzehnten an diesem Mechanismus beteiligt. Ich will ihn gar nicht denunzieren; im Gegenteil: ich bin fĂŒr mehr öffentliche Transparenz.
In Angelegenheiten der Deutschen Bahn profitiert davon meistens die SZ, so auch im Fall der aktuellen IC-Baureihe. Hatten nicht vor wenigen Monaten noch die Wirtschaftsminister Frankreichs und Deutschlands von einem “europĂ€ischen Player” im globalen Bahnbau-Konkurrenzkampf öffentlich laut getrĂ€umt? Im Ergebnis hĂ€tten die Bahngesellschaften dann nur noch einen Monopolisten als GegenĂŒber, Und der bestĂŒnde aus denen, die jetzt schon beweisen, dass sie es nicht können. Was wĂ€re die Alternative? Kurzfristig mĂŒssen sie halt in Japan oder China einkaufen. Die beweisen, dass sie es können, und zwar pĂŒnktlich. Die Japaner können sogar erdbebensichere Tunnel (hallo Stuttgart!). Langfristig mĂŒssten die Regierungen und Bahngesellschaften nach innovativen Startups scouten, so wie die Talentsucher im Fussball, die sich mit solchen Technologien besser verstehen, als die Dinosaurier Siemens und Bombardier. Ich weiss, eine unrealistische Vision, ich sollte zum Arzt gehen …
Lesen Sie ergÀnzend auch Johannes Birk/Junge Welt zur Nachtzug-Politik in Europa.