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Die Welt da draussen – ungerecht und undankbar

mit Update nachmittags
Neuinfektionen Wuhan: 1
Wenn ich von etwas was weiss, dann vom harten Alltagsleben deutscher Politiker*innen. Als ich gestern die Herren Laschet und Stamp in der Glotze, die bereitwillig zum Regierungsfernsehen mutiert, sah, übermannte mich das Mitleid. Da bringen die Herren Tag und Nacht in Krisensitzungen zu, müssen sich von Fachleuten Dinge vortragen lasssen, von denen sie sebst nichts verstehen, aber dann selbst entscheiden und Verantwortung übernehmen – und da draussen vergnügen sich nichtsnutzige Menschenmassen in Grünanlagen. Wie undankbar können diese Menschen nur sein? Die hören mir gar nicht zu. Interessiert die wohl nicht. Dann werden eben die Spielplätze doch verboten, und die Restaurants machen schon um 15 h zu, dä!
Was sich hier an den Politiker*innen rächt, hat seine Ursachen weit vor der einen oder anderen Grippe. Wenn die Frau Klöckner mehrmals am Tag über alle (Regierungs-)Medien verkündet, dass die Lebensmittelversorgung gesichert sei, dann halte ich Hamsterkäufe – ich mache keine, habe nur mich und keine Familie zu versorgen – für allzu verständlich. Denn seit wann sagt diese Lobbyistin von Agroindustrie und Bauernverband denn die Wahrheit?
Das Problem von Laschet und Stamp ist, und auch das war ihren Gesichtern anzusehen, dass sie das sehr genau wissen, dass sich im Alltag weit mehr als die Hälfte, in der gegenwärtigen Lage vermutlich nur knapp weniger als die Hälfte, sich überhaupt nur das Geringste für Politiker*innen- und Regierungs-Gesülze, wie es jetzt noch massiver aus den zuvor noch abkackenden Medien quillt, interessiert. Die Mehrheit will in Ruhe gelassen werden und ihr Leben leben. In unserem Land haben alle Generationen seit 1945 gelernt, dass das geht.
Genauso ist natürlich die Mehrheit daran interessiert nicht an Grippe zu sterben, und wenn möglich, auch nicht an ihr zu erkranken. Es ist Volkswissen, wie unangenehm das ist. Auch bei Grippen, für die es Medikamente, und gegen die es Impfungen gab, war es nicht sozial akzeptiert, andere, befreundete oder nahestehende, mutwillig anzustecken. Nochmal ein paar Benimmregeln, wie das sichergestellt wird, das lassen sich die meisten gefallen.
Doch was jetzt stufenweise verhängt wird, und die Stufen”weisheit” erweist sich als Glaubwürdigkeitsfalle, ist Ausnahmezustand, Notstand, Abschaltung von Grundrechten, Arbeitswelt, Ökonomie, Existenz (nicht gesundheitliche, sondern finanzielle). Alle Lobbys, die laute Organe haben, schreien bereits jetzt. Nur die Profiteure der Krise, Onlinekonzerne z.B. oder die Pharmaindustrie, sind merkwürdig still, vermutlich weil sie so ausgelastet mit Produktion und Arbeit sind. Beim Normalbürger*in kommt die Erkenntnis, was da passiert ist, erst viele Monate später: wenn Job und/oder Wohnung verloren, wenn mal wieder Sozialleistungen gekürzt werden, wogegen Hartz IV wahrscheinlich ein laues Lüftchen war.
Auch davon zeigten die Gesichter von Laschet und Stamp eine Ahnung. Sie werden, getrieben von den “Durchgreifen”-Parolen der ihnen einst nahestehenden rechten Medien, in den nächsten Tagen auch noch eine Ausgangssperre verhängen. Denn an den nächsten Grippetoten wollen sie nicht “schuld” sein. Das führt zu einem Totalcrash der europäischen Ökonomie und der Europäischen Union als politische Institution (dieser Link verschwindet in einigen Tagen in einem Paywall-Archiv). Darum wird der Ausnahmezustand mit Sicherheit früher beendet, als die tatsächliche Grippe. Es gibt Leute, die glauben, dass “die” das höchstens 4 Wochen durchhalten; ich kann mir auch 3-6 Monate vorstellen. Das würde für die, die es verhängt haben, am Ende, vorsichtig geschätzt nicht durchgehend gut ausgehen. Europa wird mehr denn je auf “fremde” Hilfe angewiesen sein, um seine Ökonomie und Lebensweise reinstallieren zu können. Das wird heftiger denn je politisch umkämpft sein. Donald Trump und Xi Jinping sind amüsiert.
Empfehlungen für Ihre Medieninformation: Wissenschaftsmagazin Nano, werktäglich 18.30 h auf 3sat, und das DLF-Wissenschaftsmagazin Forschung aktuell, täglich 16.30 h.
Update nachmittags: Vom Fussball lernen, ermöglicht den Blick in die politische Zukunft. Nicht nur das Gefeilsche der Verbände und Ligen um die besten, noch gänzlich unberechenbaren Termin- und TV-Sendeplätze. In ungewohnter Deutlichkeit nahm FC-Köln-Manager Horst Heldt den Fehdehandschuh des durchgreifendsten Corona-Bekämpfers und um die Kanzlerkandidatur kämpfenden Marcus Söder auf. Im politischen Raum scheinen solche Diskussionsthemen – noch, und nur im öffentlichen Raum – noch nicht darstellbar, aber sie werden kommen.
Noch deutlicher ist diese Diskrepanz bei Jens Lehmann. Ich weiss von Claudia Roth, dass er ein kluger reflektierter Mensch sein soll. Allerdings ist er wohl ohne, oder nur mit ausgesucht schlechter Medienberatung ausgestattet. Gerne sagt er Richtiges zu definitiv schlechten Zeitpunkten – nur dann hat er eine Chance im allgemeinen Gebrabbel bemerkt zu werden. Seine Frage „Wird es mehr Menschen geben, die wegen großer finanzieller Probleme krank werden als durch das Virus? Wer kann das beantworten?“ werden Politiker*innen exakt dann aufwerfen, wenn sie die in Kürze zu erwartende Ausgangssperre wieder aufheben wollen.
Dietrich Leder/Medienkorrespondenz und Andrej Reisin/uebermedien analysieren das Mediengeschehen zur Corona-Grippe – ich denke darüber ähnlich, die beiden schreiben es besser auf.

1 Kommentar

  1. Roland Appel

    Ich verstehe gar nicht, dass Du nicht einsehen willst, dass es doch einen Riesenunterschied macht, ob Restaurants bis 15.00 statt bis 18.00 offen sind. Corona-Viren, das weiss man doch aus Facebook, schlafen lange aus und werden erst ab 15.30 bis tief in die Morgenstunden aktiv. Und am meisten fürchten sie sich vor Landesgrenzen – da schrecken die völlig zusammen und lösen sich in den 54 km Stau vor der polnischen Grenze in Nichts auf. 18 Stunden im-stau-stehen und die sind alle danach tot.

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