Noch 300 Tage?

Von , am Montag, 23. März 2020, in Beuel & Umland, Lesebefehle, Politik.

Kommt Ihnen schon Schwermut? Bei mir noch nicht. Obwohl: als “stabil” würde ich meine gute Laune nicht mehr bezeichnen. Die gegenwärtige Sonne, beim betont langsamen Einkaufen genossen, hilft sehr. Versuchen Sies. Und keine Hamster-Grosseinkäufe, sondern lieber öfter zu einzelnen Anlässen: das bringt mehr Bewegung und Licht. Und auch über mehr als 1,5 m Abstand lassen sich Kontakte pflegen und Scherze machen – so jedenfalls heute mittag im Momo und bei Edeka-Lange. Denn das Schlimmste kommt noch.
Die Wissenschaftskolleg*inn*en der Quarks-Redaktion (WDR) diskutieren diverse Szenarien des Ausnahmezustandes. Einmal kräftig und ziemlich lange, bis das Virus weg ist. Oder mehrmals und noch länger, aber immer wieder mit sozialen Erholungspausen dazwischen. Bis irgendwann endlich fast alle immun sein sollen. Die Autor*inn*en schreiben selbst, wie unsicher die Daten- und Faktenlage ist. Südkorea z.B. schaffte Sicherheit nicht nur durch Datensammelei, sondern vor allem durch Testen, Testen Testen – Sicherheit für die Gesellschaft und für die Einzelnen. Das wird für die verantwortlichen Politiker*innen keine Vergnügungsfahrt. Ihr Nervenkostüm ist jetzt schon am Ende. Die Sicherheit, die sie sich von “der Wissenschaft”, einem sehr heterogenen und kontroversen Feld, erwarten, um Verantwortung dorthin abwälzen zu können, werden sie nicht bekommen.
Für die Grossmachbegehrer unter ihnen ist es jetzt schon besonders schmerzhaft (dieser Link schwindet in einigen Tagen in enem Paywall-Archiv). Freund und Beschützer USA wird unter der Pandemie mit seinem neoliberal zerbombten Gesundheitssystem so ins Taumeln kommen, dass dort, und von dort nur das Schlimmste zu befürchten ist. “Der Chinese” dagegen glaubt das Schlimmste schon hinter sich zu haben, und überschüttet den Rest der Welt mit Hilfsangeboten. Angebote, die man nicht ablehnen kann. Selbstverständlich sind die mit politischen Interessen verbunden. “Der Chinese” ist ja nicht so blöd, wie deutsche Provinzialisten und US-amerikanische Nationalisten und Rassisten.
Schutzkleidung ist Mangelware, selbst in Köln oder Bonn, selbst in Arztpraxen und Krankenhäusern – von Privatleuten beim Einkaufen ganz zu schweigen. “Der Chinese” hat gut studiert, was hier als “Marktwirtschaft” bezeichnet wird. Ob die für Sie und mich (noch) gesund ist, das steht jetzt zur Disposition.

Ein Kommentar zu “Noch 300 Tage?

  1. Roland Appel

    Aber auch hier gibt es welche, die es kapiert haben. Trigema-Chef Grupp hat angekündigt, in Kürze 100.000 Masken und Schutzkleidung wöchentlich statt T-shirts herstellen zu wollen. In verschiedenen Städten (Köln, Hagen) haben Schnapsbrenner ihre Produktion umgestellt und machen gemeinsam mit Apotheken kostenlos Desinfektionsmittel für Ärzte und Krankenhäuser. Skandalös aber die Frage des größten Corona-Testherstellers in Berlin. Er fragt sich im “Kölner Stadtanzeiger” heute wieso für Bürger, die sich testen lassen wollen, ohne nachweislich Kontakt zu Infizierten zu haben bis zu 130 € dafür bezahlen müssen. Seine Tests kosteten in der Herstellung 2,50 und wären mit 6 €/p.Stück gut bezahlt meint er.

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