Grundrechte in Zeiten von Corona

Von , am Mittwoch, 25. März 2020, in Medien, Politik.

von Katika Kühnreich
Nachbarschaftshilfe analog und digital

Während in diesen Zeiten viele digitale Angebote genutzt werden, um mit anderen Menschen in Kontakt zu bleiben, ist es gut, zwei Dinge zu beachten: Erstens, diejenigen, die analog leben nicht zu vergessen. So freut es, in Nachbarschaften auch Zettel mit Hilfsangeboten zu sehen.

Zweitens sollten wir bei aller Begeisterung über die gefühlte Nähe, die uns digitalisierte Dienste bieten können, die dadurch verursachten Datenspuren nicht übersehen, die meisten dieser Dienste entstehen lassen und die sowohl von Firmen als auch Staaten ausgewertet werden.

Zudem sind die meistgenutztesten Angebote leider oft von großen Plattformen wie Facebook, deren Geschäftsmodell leider Überwachung und Manipulation sind. Um diese nicht weiter zu unterstützen finden sich unter Prism-Break viele Alternativen.

Daher ist die von außen verordnete Entschleunigung in unseren Leben auch eine Gelegenheit, sich mit datensparsamen und verschlüsselten Diensten zu befassen. Denn auch unter den digitalen Hilfsangeboten gibt es wunderbare Beispiele wie nachbarschaft.care, der ROSA Reutlingen. Dort können sowohl Hilfebietende als auch Hilfesuchende digital zusammenfinden. Ganz ohne eine Technologiegiganten im Hintergrund.

Standortdaten als Infektionsschutz?

Wer in den jetzigen Zeiten nach einer stärkeren Nutzung der Daten, die durch unsere Nutzung der digitalisierten Dienste und unserer Standortdaten ruft, sollte dabei bedenken, dass Verfahren, die in Krisenzeiten eingeführt werden, danach selten wieder zurückgenommen und verpackt werden.

Wir müssen aufpassen, dass uns die Abschaffung von Grundrechten nicht als einzige Möglichkeit im Umgang mit einem Virus verkauft wird. Denn nicht die Grundrechte haben die derzeitige Situation entstehen lassen, sondern ein Kaputtsparen der Gesundheitssysteme und eine Auslegung ebendieser Systeme auf Profit statt eine gute Absicherung von möglichst vielen zu erreichen. Ebenso waren es nicht die Grundrechte, die zu schlechten hygenischen Bedingungen an Krankenhäusern und einer ständigen Überlastung des Personals führten, sondern die genannte Auslegung auf Profit.

Solidarität statt Vereinzelung

Gerade können wir lernen, die Vereinzelung, die uns als Individualisierung verkauft wurde und in die sich viele von uns in den letzten Jahren begeben haben, wieder zu verlassen und in Krisenzeiten an einem besseren realen sozialem Netzwerk zu weben.

Denn Facebook wird uns weder eine Suppe kochen, wenn wir krank sind, noch uns Klopapier vorbeibringen. Freundinnen und Freunde können dies hingegen schon, so lange sie sich noch bewegen können.

Dieser Beitrag ist eine Übernahme aus dem Blog der Autorin, mit ihrer freundlichen Genehmigung.

Ein Kommentar zu “Grundrechte in Zeiten von Corona

  1. Annette

    Vielen Dank für diese Erinnerung an die Datenspuren und Anonymisierung. Ds vergißt man leicht, wenn man sich nur noch über FB oder Skype unterhält.

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