Wie immer machen die Männer das meiste Getöse, während die Frauen die Arbeit machen. Die Viruskrise macht die Gesellschaft vielleicht anders, aber ganz gewiss nicht besser. Das Virus ist nicht klassenlos, es verschärft die schon bestehenden Gegensätze, und spitzt alte Tendenzen zu.
Drei Männer, die allesamt nichts Systemrelevantes zu tun haben, haben sich die Zeit zum Denken und Schreiben genommen. Mir sagten sie was.

Giorgio Agamben

Über Giorgio Agamben hatte ich schon mediales Raunen vernommen. Er soll die Viruskrise besonders abseitig-zugespitzt beschrieben haben. In der NZZ, der zuletzt durchaus zutreffend nachgesagt wurde, dass sie sich im deutschen Sprachraum an die AfD-Kundschaft ranschleimt, war eine deutsche Übersetzung von Agambens Problemsicht zu finden. Ich kann das verbreitete Entsetzen über diesen Text nicht teilen, auch wenn er, wie so viele, vorwiegend analytischen und kaum strategischen Gehalt hat. Warum sich die NZZ den Text erobert hat, … Ist Agamben schmerzfrei? Oder seine Vermarktungsagentur? Ein weiterer Fall schlechter Beratung? Ist das wichtig? Entscheiden Sie selbst.

Klaus Dörre

Klarer wird die Sache bei Klaus Dörre. Seinen Text hat die deutsche Ausgabe von Jacobin übernommen. Jacobin ist ein relevantes linkssozialistisches Organ in den USA, das dort viel Publikum gewonnen hat. Jacobin.de hat für den 1. Mai sein Erscheinen in Deutschland angekündigt, mit dem publizieren aber schon begonnen. Dörre warnt dort vor Besserungs-Illusionen für die Post-Corona-Zeit. Das sehe ich wie er.

Wolfgang Michal

Noch klarer, strategisch-pragmatisch und analytisch unerbittlich, kennzeichnet Wolfgang Michal/Freitag die Lage der deutschen Innenpolitik. Es ist schrecklich, aber wahr. Dass in den Trashtalkshows weder Grüne noch Linke überhaupt auftauchen, neben mehrfacher CDU-Vertretung, seltener SPD, allenfalls noch die FDP als Simulation eines oppositionellen Korrektivs aufzufínden ist, ist einerseits systemkompatible Bosheit der recherchefaul castenden Redaktionen, andererseits aber auch eigene Verantwortung der Oppositionsparteien. Warum verstecken sie sich selbst? Wo ist denn ihr Unterschied?

Über den/die Autor*in: Martin Böttger

Martin Böttger ist seit 2014 Herausgeber des Beueler-Extradienst. Sein Lebenslauf findet sich hier...
Sie können dem Autor auch via Fediverse folgen unter: @martin.boettger@extradienst.net